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Abenteuerbericht

Nachdem ich bisher vergeblich versucht hatte, die Knickpyramide in Dashur aufzusuchen, war das Glück mir Ende August `96 hold. Zu diesem Zeitpunkt war das Areal in Dashur noch militärisches Sicherheitsgebiet und daher für die Touristen noch jungfräulich. An diesem Tag stand mir ein Jeep zur  Verfügung und ich versuchte das Gelände diesmal über einen anderen Weg, nordöstlich (längs an einem alten Friedhof, nahe der „Schwarzen Pyramide“) die Knickpyramide zu erreichen - um endlich einen besseren Blick für ein Foto zu erhalten. Am Eingang zum Friedhof stand jedoch ein Wächter und wollte ein spezielles Permit von mir sehen. Nachdem ich jedoch diese Erlaubnis mit Bakschisch aufwog, fuhren wir mit dem Jeep und zu meiner großen Freude zur Knickpyramide. Zu meiner Verwunderung nahm der Wächter eine Taschenlampe mit, die – wie sich später herausstellen sollte, zu einem meiner größten Abenteuer beitragen sollte.  An der Pyramide angelangt, schritt mein Führer mit sicherem Schritt auf sie zu und machte sich auf, diese zu erklettern. Unschlüssig wartete ich nun, was jetzt kommen sollte; denn ich sah nur eine glatte Wand, geschweige einen Eingang, so wie ich es von den Pyramiden in Giseh und Sakkara gewohnt war. Der Führer, nachdem er schon fünf Meter in der Höhe war, machte mir durch Handzeichen deutlich, dass ich folgen sollte. Dies ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Die Wand (die Verkleidung der Pyramide, ist im Gegensatz zu den anderen Pyramiden von Giseh und Sakkara, noch gut erhalten) ist ziemlich steil und weist einen Winkel von 55° auf. Von Felsvorsprüngen zu anderen „Haltegriffen“ – mutig wie ich schon mal bin (unter uns gesagt – ich hatte bei diesem Aufstieg eine ganz schöne „Muffe“) tastete ich mich mit Händen und Füßen vorwärts. Nach einiger Zeit war die Öffnung sichtbar (vom Fuße der Pyramide ist der Eingang als solcher nicht gleich erkennbar). Nun folgte ein abwärtsführender Gang, ca. 60-70 m, ins Innere der Pyramide. Der Guide mit seiner Lampe vorneweg und ich wie eine vierbeinige Spinne hinterher. Der Boden des Ganges war voll mit Geröll; als Orientierungshilfe dienten die Gleisen einer Lore. Vor mir – wie gesagt- der Führer, nur noch als Umriss zu erkennen, ummantelt als leuchtende Staubwolke und aus der Tiefe der Pyramide ein merkwürdiges, schrilles Geräusch. Am Ende des Ganges angekommen, wartete die nächste Überraschung – ein Schacht der steil nach oben führt, lediglich bestückt mit einer Hängeleiter (ca. 2 m), wobei die erste Sprosse auf Höhe meines Gesichts begann. Der Führer mit dem Licht kletterte zuerst hoch und ich hinterher. Hinterher ist wohl übertrieben, denn ich benötigte mehrere Anläufe meinen Körper hochzuziehen. Aber Ehrgeiz, Motivation und das Ziel vor Augen, etwas zu erleben was nicht jedem vergönnt ist, ließ mich diese Hürde nehmen. In einem Raum angelangt, wartete die nächste Schwierigkeit auf mich. Es galt jetzt, eine steil hochführende Leiter, ca. 20-25 m lang, aufzusteigen. Diese Leiter endete vor einem Gang der sehr niedrig verläuft und man muss diesen auf allen Vieren durchschreiten. Beim Reinmarschieren  in diesem Gang war ich sehr erstaunt, denn es zog auf einmal unwahrscheinlich. (Später erfuhr ich, dass diese Stelle „Kamin“ genannt wird, denn die Zugluft entsteht durch einen weiteren Zugang in die Pyramide). Der Gang endete nach einer leichten Linkskurve in einem gut ausgebauten Gang. Rechts führt dieser Weg zu dem zweiten Ein-/Ausgang (diesen Weg zu nehmen ist ohne Hilfsmittel fast unmöglich, da erst ein 3 m Graben mit einer Tiefe von ca. 3-4 Meter zu überqueren gilt) und links zur Grabkammer. Nach vier Metern (der Gang war übrigens in einem bemerkenswerten sehr guten Zustand) muss ein kleiner Graben von ca.1,5m Tiefe übersprungen werden und endet an eine Mauer. Diese ist ca. 3 m hoch und ca. 80 cm breit. (Für mich war diese Mauer bei der Rückkehr das größte Hindernis, denn die Griffmöglichkeiten an dieser Mauer sind sehr begrenzt und man muss sich auf dem Bauch liegend mit den Füssen abwärts tasten.) Aber auch diese Mauer schaffte ich, dank der Hilfe meines Guides und ich stand nun  wieder vor einer ca. 3 m hohen Wand, die jedoch leichter zu erklimmen war. Danach stand ich am Ziel und zwar auf dem „Sims“ der (vermeintlichen) Grabkammer, die sich ca. 3,5 Meter unter mir auftat.  Es war schon ein super Gefühl das erreicht zu haben – das Ziel „die Kammer“ zu sehen.  Nun sah ich auch den „Ursprung“ des Geräusches, das mich fortwährend meines Einstieges begleitete – Fledermäuse!  

Aber hier oben, auf dem Mauersprung stehend und auf die Kammer zu blicken – ich kam mir wie ein Entdecker vor!  

Ich verweilte hier eine Zeitlang – in Gedanken verloren; mit Ehrfurcht an die damaligen Baumeister und mit Respekt an die Grabräuber die es geschafft hatten, dieses Grab zu plündern.  Der Ausstieg aus der Pyramide dauerte ca. 20 Minuten und ich war, trotz des Staubes den ich schlucken musste und der dreckigen und verschwitzten Kleidung mehr als happy!  

Noch weitere Male war ich in dieser Pyramide. Der Adrenalinausstoß war zwar nicht mehr ganz so groß, aber es war jedes Mal ein geiles Gefühl!

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