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Abenteuerbericht
Vorab:   Viele Leser werden nicht gutheißen, dass ich auf die Cheopspyramide gestiegen bin (...wenn das alle tun würden...) Ich gebe auch diesen Kritikern recht; aber schon als Kind war dies mein sehnlichster Traum und mein Wahlspruch hierzu lautet:  

„If you can dream it, you can do it!“  

Hinweis: Der Aufstieg ist verboten (empfindliche Strafen drohen!) und mit Sicherheit nicht ungefährlich! Also – bitte nicht nachahmen!

1996 war ich sehr häufig alleine oder mit Gruppen in Giseh. Mit der Zeit lernt man auch „gewisse Leute“ kennen.   Im September versuchte ich jemanden zu finden, der mir beim Aufstieg behilflich sein könnte. Meine „Fühler“ –wer mir helfen könnte- waren ausgestreckt und hatten auch Erfolg. Ich lernte einen alten Ägypter kennen, der als Guide ab und zu auf diesem Terrain in Giseh arbeitete. Er war über 50 Jahre jung, hatte grüne Augen und bestand eigentlich nur aus Sehnen und Muskeln.   Das erste Mal bin ich im Oktober, an einem Morgen gegen 05.00 Uhr aufgestiegen, und kostete mich inklusive meines Führers und dem Bakschisch ca. 100,-DM. An diesem Morgen durfte ich ganze 5 Minuten oben auf der Spitze verweilen.   Mir war das zu wenig und da ich ein Hobbyfotograf bin, wollte ich zu bestimmten Tageszeiten von der Cheopspyramide (Sonnenaufgang, mittags, nachmittags zum Sonnenuntergang und während der Sound & Laser – Show) Fotos schießen! Um das zu verwirklichen musste ich also über einen längeren Zeitpunkt mich auf der Cheopspyramide aufhalten!   Die Idee wurde immer konkreter; zudem hatte ich Ende November bei einem morgendlichen Aufstieg auf der Mykerinospyramide einen sehr schönen Sonnenaufgang erlebt und diesen wollte ich auch von oben der Cheopspyramide erleben.   Doch, wie sollte man es anstellen über so einen langen Zeitpunkt auf der Cheops zu verweilen? Das hieß von 05.00 h morgens bis 22.00 Uhr abends; und vor allen Dingen – wie schaffe ich es –auch mit Bakschisch– die Polizisten die auf dem Giseh –Plateau sind, „entgegenkommen“  zu stimmen - und was wird mich das kosten?   Alleine wollte ich dieses nicht in Angriff nehmen und so unterbreitete ich einem Freund diesen Vorschlag; dieser war sofort Feuer und Flamme!   Mein „Junger Ägypter“ versprach sich umzuhören, was uns das kosten würde. Nach ein paar Tagen erhielt ich die Antwort-  500,- DM (jeder 250,-DM) für die Polizisten und 50,- DM für ihn! Der Deal galt! Wir vereinbarten, im Dezember an einem Samstag morgen gegen 00.00 Uhr uns zu treffen und er sollte vorher alles klar machen und den Polizisten das Geld geben und uns beim Aufstieg helfen.   Wir also an dem besagten Tag und zur vereinbarten Uhrzeit am Treffpunkt – doch wer nicht kam, war unser Führer. Als wir schon aufgeben wollten, kam ein anderer, etwas beleibter, Ägypter (den ich auch kannte) und teilte mir mit, dass F. (unser Guide) nicht kommen konnte, da ein Todesfall seine Abreise nach Assuan erforderlich machte und dass F. ihn gebeten hatte, seinen „Part“ zu übernehmen. Wir also –in gutem Glauben- folgten ihm und gaben ihm das Geld. Auf Höhe der Barke des Pharao, längs an der Cheopspyramide, überreichte der Guide nun einem der Polizisten das Geld. Der Polizist und der Guide schärften uns ein, dass wir auf der Pyramide uns still verhalten sollen und uns nicht hinstellen dürfen. Danach verließ uns der Guide; eigentlich gingen mein Freund und ich davon aus, dass er uns den Weg nach oben weist – doch er teilte uns mit, dass er es (aufgrund seiner Körperfülle) nicht schaffen würde die Pyramide hochzuklettern.    Also suchten wir alleine den „richtigen Weg“ nach oben; hilfreich waren meine Kenntnisse aus dem Aufstieg Wochen zuvor. Wir also mit unseren Ruck- und Schlafsäcken, den Luftmatratzen und der Verpflegung nach oben. Nach ca. 25 Minuten und vollkommen durchgeschwitzt hatten wir es geschafft! Nachdem wir unser „Nachtlager“ aufgeschlagen hatten – es war jetzt etwa 01.30 Uhr – legten wir uns hin.   Doch was war das nun – lagen wir auf einem Ameisenhaufen oder traf uns der Fluch der Pharaonen? Wir wurden gepiesackt von hunderten kleinen Stichen; keine Ameisen sondern Mücken! An Mückenschutz hatten wir überhaupt nicht gedacht und so versuchten wir uns den Angriffen zu erwehren, indem wir uns praktisch in die Schlafsäcke eingruben. Doch es half nichts und wir ergaben uns in unserem Schicksal. Dann endlich, ich kann es nur erahnen, so zw. 03.00 und 03.30 Uhr hörten die Mückenangriffe urplötzlich auf und wir fielen endlich in einem Dämmerschlaf. Doch auf einmal hörte ich Stimmen -ich glaubte zu träumen- zwei Uniformierte bahrten sich vor uns auf. Ich weckte meinen Freund. Einer von den Polizisten zog seine Pistole aus dem Holster und richtete –dabei lachend- diese aus 30 cm Entfernung auf die Brust meines Freundes. Um einen Weg aus dieser misslichen Lage zu finden, versuchte ich aus einem Kauderwelsch von Arabisch und Englisch die Situation zu entschärfen. Auch holte ich ein Spiel  aus meinem Rucksack und so spielten wir in der Morgendämmerung „Kniffel!“ Nach Austausch von weiteren „Freundlichkeiten“ und 50,- DM verließen uns – el hamdullilah -  die beiden Polizisten.   An diesem Morgen wurde es nichts mit dem Sonnenaufgang. Kurz, bevor uns die Polizisten verließen, zog dichter Nebel auf und wir konnten gerade noch die Umrisse der Plattform sehen.   Apropos Plattform – diese ist größer als man denkt. Sie ist ca. 9 x 9 m groß und in der Mitte ist ein trapezförmiges Holzkreuz errichtet. Unter dem Kreuz liegen noch größere rechteckige Steine,  die uns somit auch Sichtschutz gaben.   Etwa gegen 10.00 Uhr verzog sich der Nebel und wir hatten ein freies Sichtfeld nach unten. Ich muß sagen – was für ein herrlicher Blick und Perspektive; wir wurden für unsere „Mühen“ mehr als belohnt! Da wir nicht gesehen werden durften, robbte ich mich jedes Mal an den Rand der Plattform, streckte die Arme aus in Vorhalte, fotografierte und filmte!

Zur Mittagszeit wurde es jetzt richtig warm und wir waren froh, dass jeder von uns die 4 Ltr. Wasser und Kopfbedeckungen (Schatten gab es ja nicht) dabei  hatten.

Leider war an diesem Tag ziemlich diesig, so dass der Sonnenuntergang auch nicht so „doll“ war. Auch während der Sound & Laser – Show war die Perspektive von unserem Standort nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten. Gegen 20.00 Uhr hörten wir wieder Schritte und Stimmen und es erschien unser eigentlicher Führer „F“ nebst seinem Freund. Er forderte uns auf, sofort die Sachen zu packen und mit zu kommen. Er entschuldigte sich für das Missverständnis (er dachte, das wir Sonntag auf Montag vereinbart hätten) und teilte uns mit, dass die örtliche Pyramidenverwaltung ihn mittags angesprochen hatte und aufforderte, uns von der Pyramide zu holen - doch er weigerte sich. Um Aufsehen zu vermeiden –so laut F.-  wollte die Führungsspitze der „Pyramidenpolizisten“  uns so lange „gewähren zu lassen“ bis zum Ende der letzten Sound & Laser – Show. Danach sollten wir „abgefischt“ werden. Damit wir nicht „entgehen“, würden alle Pyramiden in einem gleißenden, silberfarbenen Licht mehrere Minuten angestrahlt werden (normalerweise max. 5 Minuten).   Wir, nun zu viert,  machten uns während der Sound & Laser – Show auf  zum Abstieg (natürlich entgegengesetzt der angestrahlten Pyramidenflächen). Obwohl die beiden Personen unsere Sachen schleppten, waren sie schneller als wir beim Abstieg (für mich schwieriger als der Aufstieg – hatte beim Abstieg ganz schön Muffensausen!)   Als wir endlich wieder „festen“ Boden erreichten, machten wir uns auf – fast im Laufschritt - das Gelände großflächig zu umgehen. Aus der Ferne sahen wir, als nach der letzten Show, die Pyramiden 20 Minuten (!) in diesem grellen, silberfarbenen Licht eingetaucht waren.   Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn unser Guide nicht gekommen wäre – aber wir waren mehr als happy, dass wir dieses Abenteuer – trotz aller Widrigkeiten hinter uns gebracht hatten.  

Dieser Tag - unvergesslich!

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