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In
Afghanistan gibt es eine Vielzahl von ethnischen Gruppen, die sich
besonders durch ihre sprachlichen Besonderheiten charakterisieren
als auch ebenso im alltäglichen Zusammenleben sich sehr unterscheiden.
Die Beweggründe hierfür liegen vor allem in den verschiedenartigen
Gebieten Afghanistans, die unterschiedliche Anforderungen zur Anpassung
an den Menschen stellen und an der ereignisreichen Geschichte des
Landes, dem der heutige Staat Afghanistan ausgesetzt ist. Im ausgehenden
19. Jahrhundert wurde die Territoriallage Afghanistans durch unterschiedliche
Grenzbeziehungen geprägt, die besonders die unterschiedlichen
Ethnien sowohl räumlich als auch politisch trennten.
Demnach siedelten Turkmenen, Usbeken und Tadschiken in den Norden
Afghanistans. Die persischsprechenden Schiiten leben im Westen,
wobei sie besonders die Stadt Herat bevorzugten. Der Süden
wird in der Regel von Belutschen und der Osten von Paschtunen bewohnt.
Die Bewohner Afghanistans, die sich in unterschiedlichen Gruppen
zusammen finden, werden mit bestimmten Gruppennamen bezeichnet,
von denen es eine verwirrende Menge gibt. Doch nicht alle Gruppen,
die sich durch ihre Verschiedenartigkeit unterscheiden, sind unbedingt
ohne weiteres Ethnien. Zunächst einmal kann mit dem Begriff
"Ethnie" ein "Wir-Gefühl" verstanden werden.
Mit diesem "Wir-Gefühl" wird eine Verständigung
erreicht, dass nicht nur auf einer Sprache beruhen kann, sondern
auch auf arteigenen Werten und Symbolen, die auch physisch- anthropologische
Kriterien beinhalten können. Jeder Fremde wird von der "Wir-Gruppe"
in eine "Sie- Gruppe" unterteilt. Ein Beispiel hierfür
finden wir in der Gruppe der Kafiren. Das Wort "Kafir"
kommt aus dem arabischen und bedeutet Heide. Demnach bezeichnet
die "Wir-Gruppe" die "Sie-Gruppe" der Nichtmoslems.
Dieser Prozess lässt sich folgenderweise erklären:
Die Bevölkerungsgruppe, die im gebirgigen Nordosten Afghanistans
heimisch war, hatte sich lange der Islamisierung entzogen und wurde
deshalb auch von ihren moslemischen Nachbarn als Kafiren genannt
und ihr Land Kafiristan getauft.
Eine Vielzahl der afghanischen Bevölkerung lebt im Ganzen bäuerlich.
Das Leben eines Bauers spielt sich nur in seinem Dorf ab, wo er
geboren wird, lebt, arbeitet und stirbt. Demnach empfindet er zunächst
alles andere was außerhalb seines Dorfes geschieht als zweitrangig.
Aufgrund wirtschaftlicher Probleme wird die Bereitschaft zur geographischen
Mobilität, in ein anderes Dorf zu siedeln, für die meisten
der Dorfbewohner zur Voraussetzung. Die Neuankömmlinge werden
in das Dorf der "Wir-Gruppe" aufgenommen. Nach diesem
neuen Zusammenschluss wird über die ethnische Herkunft der
einzelnen nur noch in Erinnerung gesprochen. Beispielweise leben
unter anderem in Nordafghanistan Paschtunen, die ihre paschtunische
Sprache nicht mehr gebrauchen. In Kabul leben zum Beispiel die Gruppe
der Nuristani, die einen Übersetzer brauchen, wenn sie die
Heimat ihrer Vorfahren besuchen wollen.
Diese Prozesse werden vor allem aber durch den Islam erleichtert.
Denn die arabische Sprache, die Sprache des "heiligen Korans",
bildet eine Basis, die eine gemeinsame sprachliche Kommunikation
ermöglicht. Die Sprache ist ein signifikanter Bestandteil für
die Ethnie, der die ethnische Abgrenzung verinnerlichen soll. Eine
ethnische Gruppe kann aber auch sowohl Symbole beinhalten, die bestimmte
Verhaltensformen erkennen lassen kann. Diese können Symbole
wie Kleider, Hausgeräte und diverse Gesten sein. Zum Beispiel
die Art und Weise ein Turbantuch zu binden, kann erkennen lassen,
woher dessen Träger stammt.
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