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Farsiwan:
Die Farsiwan (in deren Eigennamen
das Wort Farsi für Parsi / Perser enthalten ist) sprechen die
persische Sprache Dari und sind weniger einheitlich als die Paschtunen.
Sie haben ein lokales Zugehörigkeitsbewusstsein statt einer
ausgeprägten Stammeszugehörigkeit.
Bis ins 12. Jahrhundert war ihre Sprache Farsi oder Dari eine Sprache
der Literatur, der Dichter und Denker, die bis zuletzt auch im Afghanischen
Königshaus gepflegt wurde und heute auch von den meisten anderen
Völkern Afghanistans mit eigenständigen Ausprägungen
gesprochen und verstanden wird.
In den Städten sind die Farsiwan zahlreich als Handwerker und
Händler vertreten. Auf dem Land leben sie als Bauern. Herat
- das wirtschaftliche Zentrum der Farsiwan oder Herati - war noch
im 15. Jahrhundert das Zentrum der persischen Welt.
Heute betrachten die Herati sich als ganz anders als die Iraner.
Nur etwa 10% der Bevölkerung ist schiitisch (in Gegensatz zur
Mehrheit der Iraner).
Zu den Volksgruppen, die "Dari" als eigene Sprache übernommen
haben, gehören viele ehemalige Kleingruppen (wie die "Tausendschaft"
Hazara, die ethnisch als Reste der mongolischen Invasionstruppen
Dschingis Khans im Lande blieben) wie auch größere Völker
wie die Usbeken, deren türkische Sprache in Afghanistan zunehmend
durch Dari ersetzt wird.
Belutschen:
In den trockenen Wüsten Gebieten von Afghanistan sowie in Südwestpakistan
und im Südostiran siedeln Stammesgruppen der Belutschen. Auch
die Belutschen sprechen eine dem Iranischen verwandte Sprache.
Tadjiken:
Die Tadjiken - ausserhalb der eigentlichen Repubilk Tadjikistan
gibt es eine große Anzahl von Tadjiken im Nordosten Afghanistans
- sprechen eine altpersische Sprache, haben aber über lange
Jahre hinweg in friedlichem kulturellen Austausch mit den benachbarten
Turkvölkern, insbesondere den Usbeken gelebt. Sie sind mit
etwa einem knappen Drittel der Bevölkerung die zweitgrößte
Volksgruppe Afghanistans.
Die Tadjiken bildeten mit den Turkvölkern den Kern der "Nordallianz",
die sich gegen den Herrschaftsanspruch der paschtunisch geprägten
Taliban richtete.
Turkvölker:
Etwa ein Achtel der Bevölkerung Afghanistans gehört den
ursprünglichen türkischsprachigen Völkern an. Strategisch
gelegen waren die Städte und Staaten an der Seidenstraße
(wie die Khanate von Samarkand, Bokhara und Khiva) in der Antike
und noch während des gesamten Mittelalters - von der Wikingerzeit
bis in die Ära der mongolischen Fremdherrschaft - weltoffene
Handelsimperien, deren Bevölkerung regen Kontakt mit den Nachbarn
pflegte.
Medizin und Mathematik standen in hoher Blüte. Der mathematische
Begriff "Algorithmus" ist nach dem usbekischen Gelehrten
Al-Khorezmi (aus Khorezem) benannt.
Zuletzt zu Beginn der Sowjetunion in den 1920er und 30er Jahren
gab es mehrere Wellen von turksprachigen Flüchtlingen nach
Afghanistan. Sie haben ihre Schafherden und ihr handwerkliches Können
(Teppichweberei) mitgebracht und dadurch die afghanische Wirtschaft
deutlich beeinflusst.
Usbeken:
Unter den Turkvölkern sind die Usbeken die stärkste ethnische
Gruppe. Die "Nordallianz" (mit dem usbekischen General
Dostum) war hauptsächlich ein Verband usbekischer und tadjikischer
Kämpfer, die sich tatkräftiger Hilfe aus der ehemaligen
Sowjetrepublik Usbekistan, einem eigenständiger Staat aus der
zerfallenen Sowjetunion, bedienen konnten. Viele Usbeken haben aber
die eigene Sprache aufgegeben und sprechen Dari.
Turkmenen:
Die Turkmenen sind ursprünglich ein nomadisches Turkvolk, das
durch die Gebiete Nordostirans, Nordwestafghanistans und der ehemaligen
sowjetischen Republik Turkmenistan gewandert ist. Die Turkmenen
sprechen eine türkische Sprache, die stark mit Lehnwörtern
aus dem Dari durchsetzt ist. Heute ist Turkmenistan, wie Usbekistan
und Tadjikistan auch, ein eigenständiger Staat. Auch Turkmenistans
Unterstützung hat die "Nordallianz" am Leben erhalten
- und letztendlich zum Sturz der Taliban-Herrschaft beigetragen.
Andere Sprachgruppen:
Neben den beiden großen Sprachgruppen der persischen und türkischen
Sprachen gibt es in Afghanistan noch eine große Zahl kleiner
ethnischer, religiöser und sprachlicher Gruppierungen und Minderheiten.
Linguisten sprechen von rund 200 verschiedenen Sprachen und Dialekten,
die hier beheimatet sein sollen. Die meisten dieser Völker
haben Entsprechungen auf dem indischen Subkontinent, so die Brahui
(ein Volk an der afghanisch - pakistanischen Grenze mit einer urindischen
- drawischen - Sprache) oder auch die Sikh, Hindi und Urdu, die
den heute in Kaschmir, (Nord-)Indien und Pakistan lebenden Völkern
gleichen Namens verbunden sind.
Die Stammeszugehörigkeit war (und ist) wesentlich größeres
Identifikationsmerkmal als die Zugehörigkeit zu einem abstrakten
Staat, der durch eine weit entfernte Regierung repräsentiert
wird - eine Regierung, deren Herrschaft sich oft nur auf das Gebiet
der Hauptstadt selbst beschränkt. Genauso wie sich starke Stammesbindungen
einer Zentralmacht widersetzen, widerstand die in unzugänglichen
Gebirgstälern lebende Bevölkerung lange der Islamisierung.
Vor der Islamisierung hatten die Völker des heutigen Afghanistans
eigene Religionen, wie die Lehre des Zarathustra, den Buddhismus,
Brahmanismus, den Mithras-Kult, und verfügten über eigene
hochentwickelte Kulturen, die mit ihrem jeweiligen Glauben eng verbunden
waren Afghanistan ist auch nicht seit Jahrhunderten durch den Islam
geprägt. Nuristan (nord-östliches Afghanistan), wurde
erst im Jahre 1895 durch den Despoten Abdul Rahman gewaltsam islamisiert.
Es gibt nicht wenige aufgeklärte Afghanen, die heute noch den
Islam als Religion des arabischen Kolonialismus ansehen. Die Taliban
hätten sich danach zu Handlangern arabischer Kriegsherren (Osama
bin Laden und seiner "Al Quaida") gemacht.
Iranische
Sprachen:
Iranische - also dem Persischen verwandte - Sprachen werden von
der Mehrheit der Völker Afghanistans gesprochen. Noch im 12.
Jahrhundert waren diese Sprachen einheitlich von Persien bis Tadjikistan
in Gebrauch. Erst danach entwickelte sich über Dialekte mit
unterschiedlichen Betonungen und die Aufnahme von Fremdwörtern
eigenständige lokale Sprachtraditionen, die sich in entsprechenden
Stammesbezeichnungen wiederfinden. Dennoch wäre es verfehlt,
alleine von der Sprachzugehörigkeit auf eine ethnische Stammeszugehörigkeit
zu schließen. Die gesprochene Sprache korrespondiert nur grob
mit der ethnischen Struktur und kaum mit religiöser und konfessioneller
Zugehörigkeit.
"In Afghanistan lebt eine Vielzahl von ethischen, religiösen,
sprachlichen und nationalen Gruppierungen und Minderheiten. Eigene
Familie und Sippe höchstens der eigene Stamm war von Interesse,
da hier die gleiche Mundart der selben Sprache gesprochen, der von
dem anderen Stamm anders artikuliert wurde." (Zitat aus u.a.
verlinkter Seite: "Sprachen und Literatur (Völker) in
Afghanistan").
Paschtunen:
Die Paschtunen bilden nicht nur die stärkste ethnische Gruppe
Afghanistans, sondern - wenn es denn ein solches gibt - auch das
dominierende Staatsvolk. Sie leben zu etwa gleichen Teilen im Süden
Afghanistans und in Pakistan. Ein bedeutender Teil ist noch nomadisch.
Paschtunisch ist - nach Dari - zur zweiten Staatssprache Afghanistans
erklärt worden. Die Paschtunen bildeten den Kern der "Taliban",
deren Kämpfer (aus pakistanischen Koranschulen indoktriniert)
einen vormittelalterlichen "Steinzeitislam" nach Afghanistan
brachten.
Korrespondierend hat dieser "Steinzeitislam" mit dem "Paschtunwali"
- dem Ehrenkodex der Paschtunen und dem Grundprinzip des paschtunischen
Stammesrechts - letztendlich zur Invasion Afghanistans durch die
USA mit beigetragen. Zu den traditionell höchsten Normen des
"Paschtunwali" gehören Gastfreundschaft und Asyl,
die auch einem Osama bin Laden gewährt wurden; ein Entzug des
Asylsrechts, der Gastfreundschaft, wäre nur über die "Djirga",
einer Streitversammlung mit Diskussion und Gespräch möglich
gewesen, ohne gegen den eigenen "Ehrenkodex" zu verstoßen.
Das Ultimatum der USA und deren Weigerung, den Taliban entsprechende
Beweise für die Urheberschaft am Attentat vorzulegen, ließen
für diese traditionelle und zeitaufwendige Form der Konfliktlösung
keine Möglichkeit.
Dazu kam der traditionelle Stolz der Paschtunen, die sich als Volk
von Kriegern begreifen - und einer Drohung nicht nachgeben können.
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