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Afghanistan
unterhielt besonders enge Beziehungen zur Sowjetunion, zum Deutschen
Reich und zur kemalistischen Türkei. Amanullah Khan verfolgte
als erster afghanischer Herrscher eine entschiedene Politik zur
Modernisierung Afghanistans. Eine von ihm gegründete Verfassung
garantierte die Gleichheit der Völker und Religionen in Afghanistan.
In ihr waren wichtige Gesetze wie die Abschaffung der Sklaverei,
die Freiheit der Persönlichkeit, die Unantastbarkeit des Besitzes,
das Briefgeheimnis, das Zivil - und Strafgesetzbuch, das Militärstrafrecht
verankert als auch Gesetze zur Förderung der Industrialisierung
und verschiedene Verwaltungsreformen. Es wurde durch Justizreformen
ebenso der Versuch unternommen, den Einfluss der Geistlichkeit auszuschalten
und die Stammesaristokratie durch Staatsbeamte zu beenden. Doch
aufgrund seiner überstürzten und ohne ausreichende psychologisch
organisierte und finanzielle Reformen und Grundlagen wurde er durch
einen Aufstand traditionalistischer und reaktionärer Kräfte
unter Führung des Tadschiken Bacha-i-Saqab gestürzt und
musste 1929 Afghanistan verlassen. König Amanullah Khans Reformen
benachteiligten die Landbevölkerung durch Gesetze der Landbesteuerung
(1921), Viehbesteuerung (1923), Ordnung über Verkauf von Staatsland
(1923) und durch Enteignung der Bauern (1923). Nach einem kurzen
anarchischen Schreckensregiment konnte Mohammad Nadir Schah (1923-1933)
mit britischer Hilfe den afghanischen Thron zurückgewinnen.
Er verfolgte eine vorsichtige Modernisierungspolitik, die unter
seinem Sohn, dem letzen afghanischen König Mohammad Zahir Schah
von 1933-1973 fortgeführt wurde, als er von einem Studenten
ermordet wird. Während dieser Zeit entsteht 1947 aus indischen
und afghanischen Gebieten der Staat Pakistan. Mohammad Zahir Schah
führte weitere Modernisierungsprogramme ein wie die Verbesserung
der Infrastruktur und neuer Verkehrswege. Nach Jahrhundertlanger
Stagnation erhielt die Stadtentwicklung neue Impulse, so dass weitere
neue Städte gegründet werden konnten. Industrie - und
Außenhandelsgesellschaften weiteten sich aus und Industriebetriebe
wurden entwickelt. Afghanische Frauen schrieben sich erstmals in
die Universitäten ein und begannen in die Belegschaft der Regierung
einzusteigen. 1959 führte Zahir Schah erstmals ein Gesetz zur
Aufhebung des Schleierzwanges ein. Am 1.10.1964 erhielt Afghanistan
eine relativ moderne Verfassung. Die neue Verfassung von 1964 ist
eines der bedeutendsten Dokumente in der Geschichte Afghanistans
der letzten Jahrzehnte. Sie bereitete den Weg zur Umwandlung der
afghanischen Gesellschaft von der traditionell-feudalistischen zu
einer modernen demokratischen Partei im Untergrund. Das Helmand-Projekt,
das zur militärischen Ausrüstung zur Modernisierung der
afghanischen Armee diente und zu dessen Durchführung die afghanische
Regierung auf US-amerikanische Finanzhilfe angewiesen war, lehnten
die USA ab. Dadurch gewährte die Sowjetunion 1955 einen 100
Mio. Dollar-Kredit an Afghanistan und sicherte sich damit den ersten
Platz unter den Entwicklungshilfegebern und Außenhandelspartner
Afghanistans. Die USA antworteten als Herausforderung mit einer
massiven Entwicklungshilfe. Bis 1978 verfolgte Afghanistan eine
Politik der Blockfreiheit und nahm die Hilfe beider Großmächte
an. Die afghanische Armee erhielt militärische Ausrüstung
und Instruktionen aus der Sowjetunion. Viele afghanische Offiziere
wurden in der Sowjetunion ausgebildet. Es waren vornehmlich prosowjetische
Offiziere, die bei den Umstürzen 1973 und 1978 entscheidende
Rollen gespielt haben. Die Beziehungen zur Sowjetunion wurden immer
enger. Viele Aufgabenbereiche lagen unter der Kontrolle sowjetischer
Berater u.a. die Exploration der Erdöl, - Erdgas, - und Erzlagerstätten,
Wirtschaftsplanung, Städtebau und Stadtplanung. Währendessen
gestaltete sich das Verhältnis zu Pakistan wegen der Paschtunistan-Frage
feindselig und gespannt. Als Paschtunistan bezeichnet man das von
den Paschtunen bewohnte Gebiet östlich von Afghanistan, das
letztendlich von Afghanistan beansprucht wurde. Die Engländer
legten 1813 die Durand-Linie als afghanische Ostgrenze fest und
trennten damit die 1879 annektierten Landesteile (Kurram, Pishin,
Sibi, Kyber-Paß) endgültig ab. Pakistan wurde bei der
Paschtunistan-Frage von den USA unterstützt. 1950, 1955 und
1961-1963 kam es zu den Höhepunkten des Konfliktes, das zur
Schließung der Grenze für den Transitwarenverkehr führte.
Die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans wurde damit schwer
beeinträchtigt, da Afghanistan einen Großteil seines
Außenhandels via Pakistan abwickelte. Die Sowjetunion half
durch ein Transitabkommen von der Nordgrenze nach Herat und Kandahar
nach Kabul aber die innenpolitische Krise und die wirtschaftliche
Lage blieb ungelöst.
Während 1973 der afghanische König Zahir Schah in Europa
weilte, wurde er und damit die Monarchie am 17. Juli desselben Jahres
durch Mohammad Daud, seinem Vetter und früheren Ministerpräsidenten
der afghanischen kommunistischen Partei, infolge eines Staatsstreiches
gestürzt und die Republik Afghanistan ausgerufen. Er machte
sich zum afghanischen Präsidenten und regierte diktatorisch.
Daud präsentierte eine neue Verfassung und bestätigte
die Frauenrechte, so dass erste Emanzipations- gedanken aufkamen.
Doch das autokratisch-diktatorische Regime vermochte trotz einzelner
ökonomischer Erfolge die Probleme des Landes nicht zu lösen.
Am 27.4.1978 kam es zu einem blutigen Putsch kommunistisch-linksgerichteter
Offiziere mit Eliteeinheiten der Armee; sie führten die Ermordung
Dauds durch. Zum Teil waren diese Offiziere dieselben Militärs,
die Daud anfangs zur Macht verholfen hatten. Die "Demokratische
Volkspartei" unter der Führung M.N. Taraki kam an die
Macht. Babrak Karmal, Gründer der kommunistischen Partei wird
stellvertretender Premierminister. Die neue Regierung versuchte
die traditionalistische Gesellschaftsstruktur radikal umzugestalten.
Im selben Jahr unterzeichnet Taraki einen Freundschaftsvertrag mit
der Sowjetunion. Mit Unterstützung der sowjetischen Armee gelang
es ihm und seiner linksgerichteten kommunistischen Partei, neue
Aufstände im Land zu unterdrücken. Im Juni 1978 wird erstmals
die Guerilla-Bewegung der islamisch-traditionalistisch orientierten
Mujaheddin geboren. Sie leisteten als einzige Widerstand gegen die
kommunistische Regierung. Infolge der Aufstände innerhalb des
Landes kam es 1979 zu Massenermordungen und Folterungen an Gegner
des Regimes und Geistliche. Taraki wird durch undurchsichtige Machtkämpfe
umgebracht und mit Hilfe eines sowjetischen Sonderkommandos durch
den weiteren Mord an den nachfolgenden Präsidenten Amin von
Babrak Karmal ersetzt. Im Dezember 1979 marschierte unter Führung
Karmal das sowjetische Militär offiziell auf der Grundlage
des am 5.12.1978 geschlossenen sowjetisch-afghanischen Beistandsabkommens
endgültig in Afghanistan ein. Die Widerstandsbewegung der Mujaheddin
blieb gegen das kommunistische Regime und die Besatzungsmacht aktiv
und gewann durch pakistanische und US-amerikanische Unterstützung
an militärische Stärke. Karmal schaffte es nicht, die
Mujaheddin zu zerschlagen und wurde infolgedessen durch den in Sowjetunion
lebenden früheren Leiter des Geheimdienstes, Najibullah, abgelöst.
Er führte 1987 eine neue Verfassung ein mit der wiederholten
Bezeichnung "Republik Afghanistan". Die sowjetische Besetzung
Afghanistans brachte eine Verschärfung der weltpolitischen
Lage mit sich. Nachbarstaaten wie Iran und Pakistan riefen tiefe
Beunruhigungen aus. Die Guerilla- Bewegung der Mujaheddin verstärkte
ihren Widerstand ausgehend aus dem zentralasiatischen Hindukush
und dem Bergland an der pakistanischen Grenze weiter fort. 1988
verlor die sowjetische Besatzungsmacht den Krieg gegen die Mujaheddin
in Afghanistan. Im selben Jahr wurde am 14.4. das Genfer Abkommen
zwischen Sowjetunion, USA, Afghanistan und Pakistan unterzeichnet.
Es beinhaltete u.a. die Nichteinmischung und den totalen Rückzug
des sowjetischen Militärs aus Afghanistan. Die Widerstandsgruppe
der Mujaheddin war an diesem Abkommen nicht beteiligt, was zu Rivalitäten
und blutigen Auseinandersetzungen innerhalb der Mujaheddin um die
Macht des Landes führte. Sie zersplitterten in zahlreiche Gruppen
unterschiedlicher politischer Richtungen und Stammeszugehörigkeiten
und ein neuer Bürgerkrieg innerhalb der sich rivalisierenden
Gruppen entfachte. Diese Aufteilung zeigt die Neigung zum Partikularismus,
die in Zeiten schwacher Zentralmacht eine unheilvolle Rolle in der
afghanischen Geschichte gespielt haben könnte aber per se nicht
sein muss. Die neue kurzzeitig Regierung wurde massiv von der Sowjetunion
unterstützt, während die verschiedenen Gruppen der Mujaheddin,
deren Führer zumeist in Pakistan sitzen, Unterstützung
von Pakistan, USA, Saudi-Arabien und anderen Staaten bekamen. Am
15.4.1992 gelang es der Mujaheddin, die afghanische Hauptstadt Kabul
einzunehmen. Sie gründeten einen Islamischen Staat und wählten
Rabbani (Tadschike), den Führer der jami`at-e islami (Islamische
Gemeinschaft) zumneuen Staatspräsidenten. Durch die kriegerischen
Wirren wurden seit 1979 Entwicklungsprojekte eingestellt, Infrastruktureinrichtungen
und zahlreiche Dörfer vernichtet, wichtige Städte wie
Herat, Kandahar und Kabul zerstört und ganze Landstriche verödeten,
weil Bewohner ins Ausland oder in die Hauptstadt geflohen sind.
Über eine Millionen Menschen sind während des sowjetisch-afghanischen
Krieges durch Kämpfe und politischen Verfolgungen umgekommen.
Die Wirtschaft hat durch Zerstörungen, Unterbrechungen der
Transportwege und Ausfall der Arbeitskräfte einen Produktionsrückgang
erlitten. In allen erdenklichen Zeiten haben Nachbarstaaten oder
andere Länder wie Großbritannien versucht, Afghanistan
für sich zu beanspruchen.
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