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Afghanistan
hatte im Laufe seiner historischen Geschichte drei Namen, die das
Land jeweils für Jahrhunderte behielt und die das Land durch
die Geschichte hindurch begleitet und unterschieden hat.
- Aryana in der Antike
- Khurasan im Mittelalter
- Afghanistan im heutigen Zeitalter
Herat,
Bactria und Kabul hatten zu mancher Zeit eigene Königreiche.
Der größte Teil des Landes liegt im Iranisch-afghanischen
Hochland. Aus ihnen entwickelt sich nordostwärts der Hindukusch,
das südwestlichste der großen zentralasiatischen Hochgebirge.
In ihm sind im Norden der Darwazgebirge und der Pamirgebirge angelagert.
Afghanistans Lage befindet sich im altweltichen Trockengürtel.
Der größte Teil des Landes besteht aus Wüste, ein
Teil aus Steppen und ein noch kleinerer Teil aus natürlichen
Waldgebieten. Im Südwesten und Süden grenzt Afghanistan
an Iran und im Norden am Zweig des als Seidenstraße bekannten
Handelsweges von Herat nach Sin-kiang und China. Unmittelbarer Nachbar
im Norden ist ebenso die Sowjetunion. Auf dem Boden Afghanistans
bildeten sich nur wenige Male kurzlebige Macht - und Kulturzentren
von subkontinentaler Ausstrahlung. Das Land lag abseits der Herrschafts-
pole. Deswegen konnten sich hier unterschiedlichste kulturelle Strömungen
und Einflüsse treffen: vom Westen her die arabisch-islamische
vor allem die persische Kultur, die bis heute große Teile
des Landes prägt. Von Südosten wirkte die indische Kultur,
die entlang der Haupthandelswege nach Afghanistan eindrang. Von
Norden ausgesehen kamen turanische und andere zentralasiatische
Kräfte nach Afghanistan, während die Einflüsse von
Osten aus China gering waren. Afghanistan war immer ein Land des
Zwischenhandels. Es verband China und Indien mit dem Vorderen Orient
und der Mittelmeerwelt. Es ist gerade diese Zwischen - und Übergangslage
im kulturellen und politischen Spannungsfeld, welche den häufigen
Wechsel in der historischen Entwicklung Afghanistans förderte
und es heute problematisch erscheinen lässt, das Land einem
der asiatischen Kulturerdteile eindeutig zuzurechnen. So bildet
es im Grunde einen vielfach überprägten sekundären
Kulturraum für sich, den man mit einem gewissen Recht als Wegekreuz
Asiens bezeichnet. Zwar zeigt Afghanistan durch den Islam die dominierende
persische Sprache und durch viele kunsthistorische Züge eine
starke Vorderasiatische Prägung, doch zählt es insgesamt
nicht mehr zu Vorderasien im eigentlichen Sinne.
In der Antike wurde Afghanistan mehrmals von asiatischen Reitervölkern
überflutet. Es unterstand immer jeweils wechselnden Mächten:
Persien, Baktrien und Indien. Afghanistans Eintritt in die Geschichte
kündigt ein goldgeprenkelter tiefblauer Stein an, der in der
zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v.Ch. in Persien, Turkmenien,
Mesopotamien und Ägypten bekannt und begehrt wurde: Lapislazuli.
Im 3. Jahrtausend v. Ch. schmückten sich in Unterägypten
Frauen mit Nephritperlen und Schmuck- gehänge aus Lapislazuli.
Zur Herstellung von Amuletten war der Stein hochgeschätzt.
Später kamen Gold und Silber aus Afghanistan nach. Im zweiten
Jahrtausend wurde der Edelstein zur wichtigsten Ware im Export Babyloniens
nach Ägypten und Indien. So verband Afghanistan den Osten mit
dem Westen. Als Durchgangsland für Händler, Eroberer und
Nomaden fand Afghanistan seitdem seinen Ort in der Geschichte. Längs
der Straßen von Iran nach Indien entstanden Siedlungen sesshafter
Bodenbauer, Viehzüchter und Getreidebauer. Die frühe Geschichte
Afghanistans setzte mit dessen Zugehörigkeit zum Reich der
persischen Achämeniden (6. - 4. Jht. v.Ch.) ein, die sich von
der Westküste Kleinasiens bis Nordwestindien erstreckte. Der
Ost-Westhandel nahm rasch zu. Seide und Jade aus China und Lapislazuli
aus Badakhshan gelangten auf der Seidenstraße bis Ephesos
und aus Indien kamen Baumwolle, Zuckerrohr und Reis bis Persien.
Bereits während der Achämenidenherrschaft begann der Einfluss
griechischer Kaufleute, Handwerker, Gelehrte und Söldner in
persischen Diensten. Reformen des Darius des III. wie Münz,
- Maß - und Gewichtswesen und der Ausbau des Straßensystems
begünstigten Handel und Handwerk. Die Landwirtschaft war die
ökonomische Grundlage des Reiches. Ebenso gab es schon zu dieser
Zeit eine Vielfalt an Steuereinnahmen. Darius der III. hatte zu
seiner Zeit die Abgabe der Steuern in Geld eingeleitet. Seine Macht
wirkte wie eine Art Staatssicherheitsdienst und er wachte über
Ruhe und Ordnung über sein Reich. Er weitete das afghanische
Reich zu seinem Höhepunkt aus, indem er den größten
Teil Afghanistans einschließlich Herat (Aria), Balkh, das
heutige Mazar-i-Sharif (Bactria), Kabul, Jalalabad, Peschawar, Kandahar
(Gandhara) und Quetta (Arachosien) eroberte. 331 v.Ch. wurde Darius
der III. von Alexander dem Großen ermordet, der 330-327 v.Ch.
auf seinem Zug nach Indien Afghanistan eroberte und als Vermittler
des Hellenismus aber auch als Zerstörer wirkte. Alexander der
Große scheiterte an dem Versuch, das Volk zu unterdrücken.
Er hinterließ einige neugegründete Garnisonsstädte,
die seinen Namen trugen wie der Ort Kapisa beim heutigen Bagram.
Die griechisch-hellenistische Kultur kam für zwei Jahrtausende
durch seine Nachfolger, den Seleukiden im Osten, zu hoher Blüte.
Später wurde ihre Kultur durch orientalisch-indische Einflüsse
abgewandelt. 305-304 v.Ch. fielen Arachosien und Gandhara einschließlich
Jalalabad und Peschawar an das indische Maurya-Reich. Ca. um 100
n.Ch. entwickelte sich das Kuschanreich. Es zielte vornehmlich über
den Hindukush nach Indien. Das Kuschanreich erstreckte sich im 1.
und 2. Jahrhundert n.Ch. von der unteren Gangesebene bis zum Aralsee
nach Sin-kiang. Sie übernahmen die gräco-baktrische Kultur
und entwickelten sie weiter fort. Das Städtewesen erlebte unter
ihrer Herrschaft eine neue Blüte. Auch heute noch findet man
in einigen Orten Afghanistans wie in Kapisa, Alt-Kandahar und Dilbarjin
kuschanische Stadtanlagen. Unter dem Kuschanherrscher Kanishka,
ca. ein Jahrhundert n.Ch., fand der Buddhismus weite Verbreitung.
Neben der fortlebenden Verehrung griechisch-römischer Götter
gibt es ebenso Zeugnisse des Hinduismus und eines vermutlich zoroastrischen
Feuerkultes. Letzteres hervorragendstes Relikt ist die Tempelanlage
bei Pul-i-Khumri im heutigen Afghanistan. Zahlreich sind auch buddhistische
Denkmäler in Ostafghanistan, die nicht nur aus der Zeit der
Kuschanen stammen, sondern auch aus den Jahrhunderten danach bis
zur islamischen Invasion. Unter ihnen haben die kolossalen aus der
Felswand gehauenen Buddhastatuen von Bamyan die größte
Berühmtheit erlangt. Das Kuschanreich unterhielt wie den Achämeniden
weitgespannte Handelsbeziehungen zwischen China, Vorderindien und
dem Mittelmeerraum. Es erlag aber im 3. und 4. Jahrhundert n.Ch.
den Angriffen der persischen Sassaniden, die einen großen
Teil des heutigen Afghanistan unter ihrer Herrschaft brachten. Der
östliche Teil des Landes wurde im 5. Jahrhundert von dem zentralasiatischen
Nomadenvolk der Hephtaliten, bekannt auch als "Weiße
Hunnen", erobert, welche die Nachfolge der Kuschanen bzw. der
Sassaniden antraten.. 565 n.Ch. wurden die Hephtaliten von den aus
Zentralasien hereindrängenden Türken besiegt, welche das
Land nördlich des Oxus in ihre Gewalt brachten, während
die übrigen weiten Teile Afghanistans wieder an die Sassaniden
fiel und sie später die Kontrolle über das gesamte heutige
Afghanistan übernahmen. Im Wechsel mit Indien bzw. Zentralasien
konnten sich wiederholt eigene regionale Dynastien bilden. Im Jahre
652 n.Ch. kommt es schließlich zum Sieg der Araber über
die Sassaniden, die sie aus den wichtigsten Städten wie Kabul,
Herat und Sistan vertrieben. Sie verkündeten den Islam und
führten den Monotheismus als Religion ein aber vermochten das
Land nur durch wiederholte Eroberungszüge zu unterwerfen. Die
heutige afghanische Hauptstadt Kabul wurde von den Arabern um 800
n.Ch. eingenommen während andere wichtige Orte wie Balkh schon
im Jahre 707 n. Ch. erobert werden konnten. Die drei Jahrhunderte
währende arabisch-islamische Durchdringung Afghanistans (7.-10.
Jhd.) brachte tief greifende Umwälzungen mit sich. Während
dieser Zeit entwickelten sich allmählich neue einheitliche
Formen einer persisch- mittelasiatisch- islamischen Kultur wobei
Religion, Kultsprache und Schrift von den Arabern entlehnt wurde.
Die endgültige Islamisierung und politische Vereinigung Afghanistans
gelang jedoch nicht den Arabern, sondern den türkstämmigen
Ghaznaviden. Sie machten sich als Statthalter unabhängig und
eroberten unter Mahmud von Ghazni (998-1030 n.Ch.) ein Reich, dass
sich von Iran bis Nordindien erstreckte. Die nach diesem Eroberer
benannte Stadt Ghazni war für 1 ½ Jahrhunderte das Zentrum
des Reiches und gleichzeitig Stätte persischer Dichtkunst und
Gelehrsamkeit. Die islamische Ära beginnt mit der Ghaznavid-Dynastie,
wobei Afghanistan zu dieser Zeit erstmalig als eigener Staat gegründet
und sie gleichzeitig das Zentrum islamischer Macht und Kultur wurde.
Bis heute sind zahlreiche Ruinen des ghaznavidischen Großreiches
geblieben. Einer der berühmtesten Gelehrten dieser Zeit war
Ibn Sina (980-1037 n.Ch.), geboren in Balkh. Er war der bekannteste
Physiker, Philosoph, Enzyklopädist, Mathematiker und Astrophysiker
seiner Zeit. Er verfasste bereits im 11. Jahrhundert ein umfassendes
medizinisches Lehrbuch (Enzyklopädie der Medizin) und ist unter
dem Namen "Kanon" bekannt. Sein Lehrbuch beinhaltet das
gesamte medizinische Wissen aller erhältlichen antiken und
muslimischen Quellen dieser Ära. Ibn Sina erkannte das Krankheitsbild
Meningitis, trug reichhaltige Beiträge zur Anatomie, Gynäkologie
und Kinderheilkunde bei. In der Physik führte er Studien über
Formen der Energie, Hitze und des Lichts. Er klassifizierte in theoretisches
Wissen wie Physik, Mathematik und Metaphysik und in praktisches
Wissen wie Ethik, Wirtschaft und Politik. Seine Abhandlungen über
Mineralien waren die Hauptquellen der Geologie der christlichen
Enzyklopädisten des 13. Jahrhunderts. In der christlichen Welt
ist Ibn Sina auch unter dem Namen Avicenna bekannt.
Um 1149/1151 n.Ch. zerstörte der Ghoride Alaudin mit seinem
Heer die Stadt Ghazni und zog weiter, um Indien zu erobern. Die
Ghoriden, einheimische Herrscher aus Ghor im westlichen Teil des
Hochlandes von Zentralafghanistan, festigten ihre Macht zwischen
den Ghaznaviden im Osten und den von Westen hereindrängenden
türkischen Seldschuken. Auch aus der Zeit der Ghoriden sind
viele Ruinen erhalten geblieben, deren berühmtestes Bauwerk
das Minarett von Jam im Engtal des Hari Rod westlich von Chaghcharan
ist. Im Jahre 1219-1221 n.Ch. kam es zu einem Ansturm der Mongolen
über Afghanistan. Ihr Herrscher Dschingis Khan zerstörte
weite Teile und nahm mit seinem Heer die wichtigsten Städte
wie Kabul, Bamyan, Herat und Balkh ein. In der Zeit der mongolischen
Herrschaft bis Mitte des 14. Jahrhunderts begann ein allmählicher
Verfall der Oasenkultur bis ins 19. Jahrhundert. Es herrschten nomadische
Lebensformen zahlreicher Dynastien und eine Geringschätzung
der städtischen Kultur. Es kam zur Beduinisierung großer
Teile des islamischen Orients. Der Verfallsprozess wurde durch das
von den Mongolen eingeführte ausbeuterische Lehnswesen und
das Fehlen einer beständigen zentralisierten Staatsmacht verstärkt.
Bewässerungssysteme wurden zerstört und fruchtbare Erde
in eine dauerhafte Wüste verwandelt. Um 1370 n.Ch. erneuerte
der Nachfahre Dschingis Khans, bekannt als Timur Leng (auch "der
Tamerlane") das beherrschte Reich. Der Hauptstadt Samarkand
verlieh er künstlerischen Glanz aber er verwüstete auch
mit seinen Soldaten in mehreren Feldzügen große Teile
Afghanistans und Indiens und übertraf dabei seine Vorfahren.
Herat bildete im 15. Jahrhundert als Hauptstadt des Timuridenreiches
das Zentrum einer reichen persisch-türkisch geprägten
Kultur, während die staatliche und militärische Organisation
türkisch-mongolischer Tradition folgte. Am Herater Hof versammelten
sich zahlreiche Dichter, Gelehrte, Miniaturenmaler und andere Künstler.
Die Grabmoschee des Hasret Ali, dem Schwiegersohn des Propheten
Mohammed und ein Mausoleum des Abu Nasr Parsa in Mazar-i-Sharif
gehören zu den hervorragendsten Bauwerken dieser Zeit. Anfang
des 16. Jahrhunderts führten zwei Ereignisse zu einem raschen
Ende der timuridischen Glanzzeit: der Einbruch der Usbeken in Turan
und der Aufstieg Babur Schahs, Nachfolger der Mongolen, der das
Reich des Großmoguln in Indien schuf. Die Usbeken waren zu
jener Zeit ein nomadisches türkisches Volk, die bis heute überwiegend
im Norden Afghanistans leben. Babur Schah eroberte die heutige afghanische
Hauptstadt Kabul, einen großen Teil des Ostens und ab 1525
Nordindien, wo er die Moguldynastie begründete. Durch ihn und
seine Nachfolger gelangte die persisch-zentralasiatische Kultur
als auch die persische Sprache nach Indien. Handel, Wissenschaft
und Künste entfalteten sich immer weiter fort. Seinem Wunsch
zu Folge wurde der Gromogul nach seinem Tod um 1530 in Kabul begraben.
Etwa zwei Jahrhunderte gehörte der östliche Teil Afghanistans
zum Reich der Großmoguln und der Westen mit Herat zu den persisch-schiitischen
Safawiden. Der Norden des Landes war in usbekische Fürstentümer
aufgeteilt. Der restliche Teil des Landes wurde von Paschtunen und
Belutschen kontrolliert. Diese staatliche Zerrissenheit und Fremdbestimmung
kennzeichneten die politische Situation vor der Errichtung des afghanischen
Staates, begleitet von einem wirtschaftlichem Niedergang insbesondere
durch den Rückgang des Fernhandels und eine allgemeine Unsicherheit.
Die Außenprovinzen der Safawiden wie auch der Großmoguln
unterlagen nur geringerer staatlicher Kontrolle, gleichzeitig aber
auch der Ausbeutung durch Feudalherren und Steuereintreiber, die
sich größtenteils aus paschtunischen Khanen rekrutierten.
Beginnend im 16. Jahrhundert wuchs der Widerstand gegen die Großmoguln
im 17. Jahrhundert in Ostafghanistan und durch die soziale Bewegung
der Roshani-Sekte (benannt nach dem Kriegsdichter Roshani) gegen
die persisch-schiitische Unterdrückung. Diese Aufstände,
obgleich ohne nationalen Charakter, leiteten die Entstehung eines
afghanischen Staates um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein.
Die nationale Geschichte Afghanistans beginnt mit der Durrani-Dynastie,
einem selbständigem Königreich, dessen Gründer Ahmed
Schah Durrani sich 1747 in der damaligen Hauptstadt Kandahar zum
afghanischen König ausrufen ließ. In kurzer Zeit vereinte
er fast das gesamte Gebiet des heutigen Afghanistan unter seiner
Herrschaft und unterwarf 1750-1752 auch die usbekischen Khanate
im afghanischen Turkistan. Das Jahr 1747 gilt als das Gründungsjahr
des afghanischen Staates. Die Afghanen stiegen unter der Führung
Ahmad Schah Durrani auf und gründeten ein modernes Afghanistan.
Er besiegte die Moguln im Westen und eroberte Herat von den Persern
zurück. Sein Reich erstreckte sich von Zentralasien nach Delhi
und von Kaschmir zum Arabischen Meer. Seine Eroberungsfeldzüge
bildeten das größte muslimische Reich in der 2. Hälfte
des 18. Jahrhunderts. Nach seinem Tod um 1772/1773 zerfiel sein
Reich, aber die von ihm geschaffene Staats - und Militärorganisation
blieb für die weitere Entwicklung Afghanistans von großer
Bedeutung.
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