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Schulbildung und Berufstätigkeit von Frauen

Wie bereits im vorigen Abschnitt erwähnt worden ist, wurde 1921 durch König Amanullah Khan die erste Mädchenschule geschaffen, die jedoch auf Grund der Bürgerkriegsunruhen im Jahre 1929 schließen musste. Erst nachdem die Bürgerkriegsunruhen beendet worden waren, wurde noch am Ende des selben Jahres eine Ausbildungsstätte für Mädchen geschaffen. Bevor aber die Schule 1933 zu einer normalen Schule umgeformt wurde, konnten die afghanischen Mädchen auf dieser Schule zur Hebammen und Krankenschwestern ausgebildet werden. Über weitere Jahre hinweg wurde die Bildung von Mädchen und Frauen durch internationales Aufsehen und durch die UNESCO sehr intensiv beobachtet. Aufgrund der UNESCO sah sich der Staat Afghanistan verpflichtet, die Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen stark zu unterstützen und weiter zu vertiefen. Erstmals wurde 1948 für Frauen an der Universität von Kabul eine Literaturwissenschaft - und Naturwissenschafts- fakultät gegründet und 1959 bekamen sie die Möglichkeit, eine für sie eingerichtete medizinische Fakultät zu besuchen. Nachdem immer mehr gebildete Frauen in der Gesellschaft ohne Schleier auftraten, wurde 1959 die Gemeinschaftserziehung von männlichen und weiblichen Studenten eingeführt. Damit standen den Frauen alle Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese Entwicklung führte dazu, dass sich die Bildung stark ausbreitete. Nach der statistischen Erfassung hatte sich die Schülerzahl von 1933, die damals bei 1350 lag, im Jahre 1974 auf 803.141 erhöht.
Außerdem war die Anzahl der Schulen im Jahre 1974 von 22 auf 3.983 gestiegen. Doch trotz dieser Entwicklung war die Anzahl der Mädchen am Schulbesuch fast zu jeder Entwicklungszeit noch viel zu gering. 1974 ließ sich die Gesamtzahl der Frauen, die verschiedene Bildungszweige (Dorfschulen, Grundschulen, Sekundarschulen, Lycéen, Berufsschulen, Hochschulen) besuchten, auf 14% erfassen, während die männlichen Schüler 86% ausmachten.

Da aber die meisten Bildungsmöglichkeiten in der Hauptstadt Kabul lagen, waren die Studiermöglichkeiten für Mädchen und Frauen die aus anderen Städten kamen, sehr gering. Lt. UNESCO lag 1970 die Schülerzahl im Zentralafghanistan und anderen Gebieten ungefähr bei 1 bis 1,7%, während in Kabul die Anzahl der weiblichen Schüler auf 25% anstieg. Aber nachdem man ein Wohnheim für Studentinnen an der Universität einrichtete, bekamen auch Frauen, die aus anderen Gebieten Afghanistans kamen und Kabul für sie fremd war, die Möglichkeit, die Universität zu besuchen.
In den Dörfern von Afghanistan machte sich ebenfalls eine Entwicklung im Erziehungswesen bemerkbar. Ursache für diese positive Entwicklung war 1968 eine Konferenz im Entwicklungsministerium, die in Kabul stattfand. Mit der Unterstützung des damaligen Bildungsministers konnten alle anderen Direktoren, die in ihren Regionen für Erziehung zuständig waren, auf dieser Konferenz die Probleme und Belange zur Bildung ihrer Gebiete äußern. Viele dieser Erziehungsdirektoren verlangten für ihr Land die Einrichtung dieser Mädchenschulen. Doch aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten konnten nicht in allen Regionen Afghanistans Mädchenschulen gegründet werden. Da die Motivation hier sehr groß war, waren viele wohlhabende Menschen bereit, ihre Häuser als Erziehungsgebäude zur Verfügung zu stellen. Trotz der hohen Bereitschaft für die Bildung der Mädchen bildete sich ein Gegenpol, der diese Entwicklung sehr kritisierte. Die Konservativen, die die Bildung der Mädchen ablehnten, sahen die Ursache für die Entwicklung der Frauenemanzipation am Einfluss des Westens. Allein das in den 60er Jahren der Minirock, der zu der damaligen Zeit sehr in Mode war, von afghanischen Frauen getragen wurde, sorgte bei den streng Gläubigen für Aufregung. Es wurde befürchtet, dass es zwischen der neuen, gebildeten und jungen Generation und den ungebildeten älteren Afghanen zu Kontroversen kommen würde und der Respekt vor älteren Menschen sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft verloren gehen könnte. Ebenso befürchtete man den Ungehorsam der Kinder in der Familie. Auch die Mütter lehnten lange die Bildung ihrer Töchter ab, da sie Bedenken hatten, sie würden ihnen nicht mehr bei den Hausarbeiten helfen. Für Frauen war es besonders nach ihrer Ausbildung schwierig einen Arbeitsplatz zu finden, da der Bedarf nach weiblichen Arbeitskräften fehlte. In Kabul und in anderen Städten wurden überwiegend Lehrerinnen eingestellt, die in besonderen Lehrerausbildungs- stätten unterrichtet wurden. Ab 1957 weitete sich das Berufsfeld für Frauen weiter aus. So kam es, dass Frauen für den afghanischen Rundfunk arbeiteten und ihre Stimme sogar gesendet werden durfte.
Erstmals konnte 1958 auf internationalen Konferenzen wie der "Afro-Asiatischen Frauenkonferenz" in Colonmo/Ceylon und der Vereinten Nationen, eine afghanische Frauendelegation in der Öffentlichkeit auftreten und ihr Land vertreten. Diese Entwicklung öffnete Frauen viele Türen, um in vielen Bereichen wie zum Beispiel bei der Bibliothek des Erziehungsministeriums, bei Regierungsbanken und bei der afghanischen Luftfahrtgesellschaft Ariana zu arbeiten.
Für die Ausbildung zur Lehrerin wurden Stipendien zum Auslandsstudium für Frauen ermöglicht. Da die Frauen aber wenig Berufsmöglichkeiten hatten, mussten sie sich in den meisten Fällen für den Beruf der Lehrerin entscheiden. 69% der Frauen waren im Staatsdienst als Lehrerinnen tätig, während nur 35% der männlichen Lehrer im Staatsdienst arbeiteten.

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