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Die
Industrialisierung in Afghanistan wurde durch mehrere und unterschiedliche
Entwicklungsstufen geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde
die industrielle Entwicklung durch das Ausland beeinflusst, zumal
es in Afghanistan keine Möglichkeit gab, selbständig ein
Handwerkswesen zu konstruieren. Zu diesem Zweck wurde auf die Hilfe
von indischen und britischen Fachleuten gesetzt, um im Land eine
staatliche Manufaktur auszuarbeiten. Durch Emir Abdur Rahmans Leitung
(1880-1901) wurde die erste Manufaktur in Afghanistan geschaffen,
jedoch ohne Dampfmaschinen und ohne elektrische Energie. Im Jahr
1887 wurde für die afghanische Armee mit dem Bau einer Waffen
- und Munitionsfabrik begonnen. Außerdem folgte im selben
Jahr die Gründung einer Leder - und Schuhfabrik. In der ersten
Phase der industriellen Entwicklung wollte man die Eigenversorgung
im Land verstärken. Der damalige Staatsoberhaupt Habibullah
trieb die technische und soziale Infrastruktur sehr voran. In den
Jahren zwischen 1912 bis 1917 wurde unter amerikanischer Führung
in Jabal us Seraj, das 80 km nördlich von Kabul liegt, ein
Wasserkraftwerk entwickelt. Während König Amanullahs Regierungszeit
(1919-1929) wurde die Industrialisierung in Afghanistan, bis auf
die Gründung einer Streichholzfabrik, nicht besonders berücksichtigt,
da er mit seinen Reformen in der Innenpolitik und mit den Konservativen
sehr beschäftigt war. 1932 ging es wieder voran, indem die
"Bank-e-Melli-e Afghan", eine afghanische Nationalbank
geschaffen wurde. Durch die Gründung der Bank wurde die Industrialisierung
in Afghanistan angekurbelt, weil Kredite an bereitwillige Interessenten
gegeben werden konnte, die für den Kauf oder einer Verpachtung
von Staatsfabriken in Frage kamen. Demnach standen nun die Leder
- und Streichholzfabrik in Kabul und die Textilfabrik in Jabal us
Seraj unter der Leitung von privaten Geschäftsleuten. Die afghanische
Nationalbank trug dazu bei, dass auch außerhalb von Kabul
ein Industrienetz entstehen konnte. Diese Entwicklung führte
dazu, dass in Kunduz eine Baumwollentkernungsanlage, eine Wollfabrik
in Kandahar, ein Textilwerk in Pul-e Khumri und eine Stein - und
Holzbearbeitungsfabrik in Kabul gegründet werden konnte. Trotz
dieser Entwicklung war die afghanische Infrastruktur noch instabil.
Infolgedessen hatte der Staat Afghanistan nur vier Kraftwerke bestehend
aus einer Kapazität von 12 000 kW. Die damals existierenden
3 000 Lastwagen und 1 500 Personenkraftwagen mussten sich mit der
3 000 km langen Autostraße zufrieden geben. Darüber hinaus
gab es keine Möglichkeit, eine Flugverbindung weder ins Ausland
und noch ins Inland aufzunehmen. Weiterhin bestand das Telefonnetz,
dass nur dem Staat dienlich war, aus einer Länge von 1 500
km.
Mit der Beendigung des zweiten Weltkrieges musste Afghanistan, dass
zu der Zeit 10 Fabriken hatte, seine Vorkriegsschulden zurückzahlen.
Ziel des Staates war es besonders, durch Importe unabhängig
zu werden. Es wurde mit dem Bau von Textil-, Baustoff - und Energiewerken
begonnen. Bis 1955 gab es in Afghanistan ca. 21 Fabriken. Da es
aufgrund des staatlichen Einflusses zu keinem Aufschwung kam, wurde
1967 das "Foreign and Domestic Private Investment Law",
ein Investitions- förderungsgesetz geschaffen, um somit die
Arbeitsmarktsituation zum Teil mit privatem Kapital zu reformieren.
Mit diesem neuen Gesetz sollte sowohl für ausländische
als auch für afghanische Geschäftsleute die Möglichkeit
geboten werden, in Afghanistan zu investieren. Für dieses Gesetz
beauftragte der Staat ein Investitionskomitee, alle offiziellen
Projekte der Investoren zu überprüfen. Das Komitee bestand
aus einem Handlungsministerium, einem Planungsministerium, einem
Bergbau - und Industrie- ministerium, einen Finanzministerium und
einem Landwirtschaftsministerium.
Im Laufe der Zeit wurde die Industrie, das Bergbauwesen und die
Land - und Agrarwirtschaft vor allem durch Tierzucht gefördert.
Ferner wurde im Tourismusbereich mit dem Bau von Hotels begonnen.
Den Investoren wurden einige Vergünstigungen wie zum Beispiel
eine temporäre Steuerfreiheit gewährleistet. Die ausländischen
Investitionen führten dazu bei, dass die Beschäftigungszahl
in der Industrie immer mehr anstieg.
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