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aktuell (2004):

  • Klage über Korruption
    in der Verwaltung, über willkürliche Verhaftungen und Einschüchterungen.

  • Die Machthaber kontrollieren die einzige Tageszeitung
    der Stadt und den einzigen Fernsehsender, der in der Provinz zu empfangen ist. Unabhängige Journalisten werden offen bedroht.(Am 25. 3. 03 wurde der Vertreter von "Radio Free Afghanistan" in Herat von Sicherheitskräften angegriffen, als er sich bei der Eröffnung eines Büros der "Unabhängigen afghanischen Kommission für die Menschenrechte" zeigte; anschließend mußte er die Stadt verlassen; im April 2003 ließ Khan einen Radio-Journalisten festnehmen und öffentlich auspeitschen, viele Journalisten verließen daraufhin aus Protest die Provinz).

  • Schiiten und Pashtunen klagen, dass sie von der Teilhabe an der Macht weitgehend ausgeschlossen sind.
    Für die Wahlen zur außerordentlichen "Loja Jirga" im Juni 2002 wurden nur Gefolgsleute von Isma'il Kahn in die Ratsversammlung entsandt. Delegierte der Loya Jirga ließ der Warlord einschüchtern, verhaften und foltern, um ihr Wohlverhalten zu erzwingen. Seine Miliz ist auch für die systematische Vertreibung der pashtunischen Minderheit aus der Provinz verantwortlich. [Quellen: FAZ, 04.11.2003, Nr. 256 / S. 3; Le monde diplomatique, 2003-12-19; Gesellschaft für bedrohte Völker, www.gfbv.de]

  • Gouverneure
    seit 12.11.2001: Isma'il Khan* Stellvertreter: Haji Mir Khaliq
    1993-95: Isma'il Khan*

  • Isma'il Khan
    Am 30. 12. 1992 riefen die Mujaheddin den "Islamischen Staat Afghanistan" ins Leben. Isma'il Khan wurde Gouverneur von Herat, und die Provinz erlebte eine dreijährige Periode relativer Properität, während große Teile Afghanistans im Chaos lebten.
    Im September 1995 wurde Isma'il Khans Armee von den Taliban besiegt.
    "Für Sicherheit und Ordnung ist hier längst gesorgt."
    im November 2001 verloren die Taliban Herat wieder an Isma'il Khan. Im selben Monat noch wurden in Herat Fakten geschaffen. Isma'il Khan ließ von seinen Soldaten einen Checkpoint an der Grenze zum Iran einrichten und hatte damit die Zollkontrolle. Isma'il Khan brachte den Machtapparat der Provinz daraufhin schnell unter seine Kontrolle und verschaffte sich die Legitimation durch den Obersten Rat der Korangelehrten in Herat. Das Abkommen von Bonn-Petersberg hat er nicht unterzeichnet, dennoch ernannte ihn die neue Regierung in Kabul zum Provinzgouverneur. Die Beziehungen allerdings zwischen der Regierung Karzai und Isma'il Khan gestalteten sich von Anfang an schwierig.
    Der Herrscher von Herat war ind ist darauf bedacht, seine Eigenständigkeit zu wahren. Er pflegt gute Beziehungen zum Iran und versorgt seine Gefolgsleute mit einflussreichen Posten - auch gegen den Willen der Zentralregierung. Insgesamt hat er sich, obwohl er die Regierung in Kabul offiziell anerkennt, einen guten Teil der Regierungsmacht angeeignet.
    Er unterhält eine eigene Armee von etwa 30 000 Kämpfern, die er vor allem aus Zolleinnahmen bezahlt und die seine Macht sichert - aufsässige lokale Kommandeure müssen mit militärischen Strafaktionen rechnen (z. B. führte er in der Region Shindand, südlich von Herat, einen Feldzug gegen den pashtunischen Kriegsherrn Amanullah Khan).
    Versuche der Zentralregierung, seine regionale Miliz in die nationalen Streitkräfte einzugliedern, hielt er entgegen: Die in Herat stationierten Truppen seien bereits "Verbände der nationalen afghanischen Armee", denn: "sie haben ihre Waffen an zentrale Depots übergeben." (23. und 27. 7. 2003). Der Konflikt war damit freilich nicht beendet: Eigentlich hätte Khan am 17. August 2003 seine Funktion als militärischer Oberbefehlshaber von Herat aufgeben müssen, weil sie nach den neuen Regeln mit seinem Gouverneursamt nicht mehr länger vereinbar ist. Am 24. Oktober 2003 startete die Regierung in Kabul daher ein Programm zur Entwaffnung der regionalen Milizen und ihrer partiellen Eingliederung in die nationalen Streitkräfte Afghanistans.("Disarmament and Reintegration in Afghanistan", International Crisis Group, Brüssel, 30. 9. 03)
    Ebenso resistent wie gegenüber nationalen zeigt sich der Gouverneur in militärischer Hinsicht gegenüber internationalen Ambitionen: Herat war als Einsatzort für die deutsche ISAF-Truppe im Gespräch, war jedoch in Herat nicht willkommen. "Für Sicherheit und Ordnung ist hier längst gesorgt." Stattdessen wird von Vorbereitungen berichtet, hier bald eine deutsche konsularische Vertretung einzurichten.
    Die faktische Autonomie der Provinz Herat scheint indes für ihre Bewohner vorteilhaft: hier herrscht (im Unterschied zu fast allen anderen Provinzen und Städten Afghanistans, incl. der Hauptstadt Kabul) Ruhe und der Wiederaufbau schreitet voran.
    Mädchen wie Knaben können Grundschulen und höhere Schulen besuchen (nach Angaben der örtlichen Erziehungsbehörde sind in der Provinz Herat 140 000 der insgesamt 320 000 Schüler Mädchen); die Universität ist wieder in Betrieb, zudem nahm der Gouverneur an der Eröffnung des ersten kommunalen Rundfunkprogramms für Frauen teil. Die städtische Infrastruktur wird erneuert: Im Zentrum werden die Straßen neu asphaltiert, Verkehrsampeln und Straßenbeleuchtung funktionieren, öffentliche Parks werden gepflegt.
    Die Mittel dafür bringen in erster Linie Zolleinnahmen aus dem Grenzverkehr mit Iran und Turkmenistan, deren Höhe je nach Quelle zwischen 50 Mio und 200 Mio US-Dollar jährlich geschätzt wird, und von der ein Bruchteil nur an die "Zentralregierung" in Kabul weitergeleitet wird (am 2. 6. 03 erklärte sich Herat bereit, Zolleinnahmen in Höhe von 20 Mio US-Dollar an Kabul abzuführen).

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