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Lage in Herat
07.08.2004

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07.08.2004 » Michael

Hallo Ihr alle,
man erträgt geduldig den Hochsommer, weil einem gar nichts anderes übrig bleibt. Ich habe jetzt seit 3 Monaten keine Socken mehr getragen und mich nachts nicht zugedeckt. In den letzten 3 Monaten hatten wir zusammen vielleicht 6 oder 7 Tage, wo das Thermometer morgens unter 35°C stand. Der Kälterekord ist etwa 2 Wochen alt: 28°C früh um 6 Uhr.
Eigentlich reicht's nun. Regen wäre mal schön. Ich weiß - die meisten Leser denken darüber anders. Der Wind hier dauert immer noch an. An manchen Tagen ist er so stark, dass leere Mülltonnen u.ä. auf den Straßen oder Grundstücken herumscheppern. Die Verankerung unserer TV-Dachantenne haben wir mehrfach verstärken müssen. Jetzt haben wir ein erträgliches Bild. Das, was da übertragen wird, bleibt trotzdem deprimierend genug.

Seit etwa 2 Wochen haben wir nun tatsächlich begonnen, das Baumaterial für das Hausbau-Programm auszuliefern. Flutscht ganz ordentlich. Sollte es auch, denn im Oktober sind die ersten Straßen im Gebirge bereits nicht mehr passierbar. Bis dahin müssen wir alles ausgeliefert haben. Den Gedanken, die Gebirgsregionen zuerst zu beliefern und das Flachland für später aufzuheben, mußten wir fallenlassen, weil sich da oben ein paar Leute über die genaue Verwendung der Mittel und andere Dinge in die Haare geraten sind. Zeitweise traut sich kein LkW-Fahrer hoch in die Gegend, wo ich erst neulich das wundervolle Minarett besichtigt habe.

Die Sicherheitslage in Herat ist nach wie vor gut. In der Umgebung und in vielen anderen Landesteilen wird es immer schlimmer. In Kabul selbst auch. Neulich hat man dort an einem Tag 4 Bomben gefunden, die alle entschärft werden konnten. Die entsprechenden Straßen wurden abgesperrt und der ohnehin chaotische Verkehr brach völlig zusammen. Ich steckte in einem geborgten Toyota mitten drin und brauchte für 5 km 2 Stunden. Die Straßenbettler waren begeistert: kein Auto konnte ihnen entkommen. Die Verkehrspolizei hatte einfach Pause. Zwar meinen nicht wenige, daß die Bomben extra zwecks Verbesserung des Erscheinungsbildes der Sicherheitskräfte von eben diesen selbst gelegt wurden, aber für den Straßenverkehr macht das keinen Unterschied.

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