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Hallo
Ihr alle,
man erträgt geduldig den Hochsommer, weil einem gar nichts
anderes übrig bleibt. Ich habe jetzt seit 3 Monaten keine Socken
mehr getragen und mich nachts nicht zugedeckt. In den letzten 3
Monaten hatten wir zusammen vielleicht 6 oder 7 Tage, wo das Thermometer
morgens unter 35°C stand. Der Kälterekord ist etwa 2 Wochen
alt: 28°C früh um 6 Uhr.
Eigentlich reicht's nun. Regen wäre mal schön. Ich weiß
- die meisten Leser denken darüber anders. Der Wind hier dauert
immer noch an. An manchen Tagen ist er so stark, dass leere Mülltonnen
u.ä. auf den Straßen oder Grundstücken herumscheppern.
Die Verankerung unserer TV-Dachantenne haben wir mehrfach verstärken
müssen. Jetzt haben wir ein erträgliches Bild. Das, was
da übertragen wird, bleibt trotzdem deprimierend genug.
Seit etwa 2 Wochen haben wir nun tatsächlich begonnen, das
Baumaterial für das Hausbau-Programm auszuliefern. Flutscht
ganz ordentlich. Sollte es auch, denn im Oktober sind die ersten
Straßen im Gebirge bereits nicht mehr passierbar. Bis dahin
müssen wir alles ausgeliefert haben. Den Gedanken, die Gebirgsregionen
zuerst zu beliefern und das Flachland für später aufzuheben,
mußten wir fallenlassen, weil sich da oben ein paar Leute
über die genaue Verwendung der Mittel und andere Dinge in die
Haare geraten sind. Zeitweise traut sich kein LkW-Fahrer hoch in
die Gegend, wo ich erst neulich das wundervolle Minarett besichtigt
habe.
Die Sicherheitslage in Herat ist nach wie vor gut. In der Umgebung
und in vielen anderen Landesteilen wird es immer schlimmer. In Kabul
selbst auch. Neulich hat man dort an einem Tag 4 Bomben gefunden,
die alle entschärft werden konnten. Die entsprechenden Straßen
wurden abgesperrt und der ohnehin chaotische Verkehr brach völlig
zusammen. Ich steckte in einem geborgten Toyota mitten drin und
brauchte für 5 km 2 Stunden. Die Straßenbettler waren
begeistert: kein Auto konnte ihnen entkommen. Die Verkehrspolizei
hatte einfach Pause. Zwar meinen nicht wenige, daß die Bomben
extra zwecks Verbesserung des Erscheinungsbildes der Sicherheitskräfte
von eben diesen selbst gelegt wurden, aber für den Straßenverkehr
macht das keinen Unterschied.
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