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Afghanistan
Tote in Herat nach Entmachtung Khans
© dpa - Meldung vom 12.09.2004 18:46 Uhr
Kabul (dpa) - Einen Monat vor der ersten freien Wahl in Afghanistan
hat Präsident Hamid Karsai einen seiner mächtigsten Widersacher
entmachtet.
Bei Demonstrationen gegen die Absetzung von Gouverneur Ismail Khan
in der westafghanischen Provinz Herat wurden mindestens sieben Menschen
getötet und elf verletzt, vier davon schwer. Protestierende
stürmten am Sonntag das UN-Gelände in Herat- Stadt und
legten dort Feuer. Das UN-Personal musste in Bunker fliehen und
später in ein US-Militärcamp in Sicherheit gebracht werden.
Auch Einrichtungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, mehrerer
Hilfsorganisationen, der afghanischen Menschenrechtskommission sowie
das pakistanische Konsulat seien angegriffen worden, sagten Augenzeugen.
Die Mitarbeiter der Außenstelle der deutschen Botschaft in
Herat kamen nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin nicht
zu Schaden. Die Außenstelle war bei Unruhen im März evakuiert
worden. Die Regierung in Kabul entsandte eine Delegation, die Khan
bitten sollte, die Demonstrationen zu beenden.
Khan hatte am Samstag erklärt, er akzeptiere die Entscheidung
des Präsidenten. Den ihm im Gegenzug angebotenen Posten als
Minister für Industrie und Minen lehnte er ab. Khans Entmachtung
wurde als Versuch Karsais gewertet, die Macht der Zentralregierung
vor der Präsidentenwahl am 9. Oktober auszudehnen. Khan, der
eine große Privatarmee unterhält, regierte Herat lange
Zeit mit eiserner Hand. Die Provinz ist eine der wohlhabendsten
Afghanistans. Karsai hatte Kriegsherren kürzlich als größte
Gefahr für Afghanistan bezeichnet.
Unter dem Schutz von US-Truppen wurde Khans Nachfolger Said Mohammad
Khair-Khowa am Sonntag zum Gouverneurssitz in Herat-Stadt gebracht.
Khair-Khowa war bislang afghanischer Botschafter in der Ukraine.
Die Demonstrationen gegen Khans Entmachtung, an denen sich nach
Angaben von Augenzeugen tausende Menschen beteiligten, hielten am
Sonntagabend an. Demonstranten verbrannten Bilder Karsais und skandierten
Parolen gegen den Präsidenten und gegen die USA.
Die US-Streitkräfte wiesen am Samstag Äußerungen
des Topterroristen Eiman el Sawahiri über eine angeblich ausweglose
Situation der Amerikaner in Afghanistan zurück. Taliban und
El Kaida seien nicht mehr in der Lage, die Sicherheit und Stabilität
in Afghanistan wesentlich zu beeinträchtigen, sagte ein Armeesprecher.
Der Stellvertreter Osama bin Ladens hatte in einer am Freitag vom
Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlten Videobotschaft gesagt,
der US-Abzug aus dem Irak und aus Afghanistan sei eine Frage der
Zeit.
US-Truppen töteten nach Angaben der in Pakistan ansässigen
afghanischen Nachrichtenagentur AIP bei Kämpfen in der südafghanischen
Provinz Kandahar mindestens acht Taliban-Kämpfer. Am Freitagabend
waren in der südostafghanischen Provinz Sabul nach US- Angaben
zwei Taliban getötet und vier gefangen genommen worden.
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