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In
den nächsten Tagen werden wir wohl an die Stromversorgung angeschlossen.
Dann können endlich die Generatoren abgeschaltet werden und
wir nachts ruhig schlafen.
Die Arbeit läuft immer noch auf Sparflamme. Wir haben jetzt
die meisten Baumaterialien angeliefert bekommen, die für das
diesjährige Hausbauprogramm gebraucht werden. Die Auslieferung
hat noch nicht begonnen. Die meiste Arbeit verursacht im Moment
noch der Kampf gegen die Bürofliegen. "Ja, also ... ehm
... ja ... Chef ... ich bräuchte da mal eben einige hundert
Dollar". Das habe ich in den vergangenen Wochen recht oft gehört.
"Meine Mutter ist krank. Ich muss sie nach Pakistan bringen"
Kann stimmen. Muss aber nicht. Egal. Wer kann da NEIN sagen? Ich
jedenfalls nicht. Also zahlst Du das Geld aus. Schuldschein mit
Fingerabdruck. Wie üblich. Dürfte ich genau genommen alles
nicht. Aber das ist hier eben Herat und da bin ich der Chef. Da
bekommt auch Mohibullah seine 300 $ für seinen Hausbau. Was
eigentlich auch nur ein Monatsgehalt ist. Ich schreibe "medical
treatment" auf den Schuldschein. Besser so. Ich habe hier insgesamt
die erschütternde Summe von 1100 $ an Vorschusszahlungen gegeben.
Efrem in Kabul -Finanzhäuptling - wird vermutlich toben, aber
man kann sich ja nun nicht wegen jedem Quatsch aufregen.
Da wir einen neuen Funker suchen, muß ich Einstellungsgespräche
führen. Vor meinem Büro warten 3 oder 4 Leute auf ihr
Gespräch. Mehr so nebenbei ordne ich an, daß den Leuten
ein Tee gebracht wird. In diesem Land eigentlich die normalste Sache
der Welt und ich wundere mich schon, daß dies erst auf Anweisung
geschieht. Plötzlich zickt Fahima herum und erklärt, daß
sie als Frau sich schämt, fremden Männern Tee zu bringen.
In der Vergangenheit war das seltsamerweise nie ein Problem. Wir
haben ja nicht das erste Mal Gäste im Büro. Als die Aktion
vorüber ist, lasse ich Salim mal ein paar Takte mit der Lady
reden. Das geht dann aber schief. Hätte ich mir allerdings
auch vorher überlegen können. Für so etwas ist Salim
zu jung und zu klein. In Salims Bude wird es laut. Fahima legt ihm
die Karten und nicht umgekehrt. Etwas geprügelt erscheint Salim,
der Vertreter dieser Obermachos, die die Frauen 3m hinter sich verschleiert
in der Öffentlichkeit herumlaufen lassen, in meinem Büro
und redet von den allgemeinen Problemen im Umgang mit Frauen. Ich
kämpfe mit Lachanfällen. Da ich die Tücken des Umgangs
mit weiblichen Angestellten in einem islamischen Land auch nicht
detailliert durchschaue, entschließe ich mich zu der "Na
dann eben nicht"-Methode. Ich hole mir meinen Tee selbst und
bringe demonstrativ auch meinen Angestellten den Tee. Die gucken
etwas irritiert. Solln'se. Fahima steht an der Wand und bohrt mit
ihren Blicken Löcher in den Boden. Wenn die so weitermacht,
werden wir noch den Teppich erneuern müssen. Ich verteile indessen
Tee.
Manchmal verzweifele ich an der haarsträubenden Unfähigkeit
der UN-Bürokraten und dann wieder an den Telefonleitungen.
Seit ein paar Tagen haben wir pünktlich zum Mittag immer eine
große Explosion. Die Armee sprengt Fundmunition. Die Fensterscheiben
klirren, halten aber. Morgen muss ich mich ernsthaft um die Klimaanlage
kümmern. Es sind kaum noch unter 35° im Zimmer. Wie auch
immer -es ist der beste Job der Welt. Fühle mich sauwohl hier.
Wenn jetzt noch mein Mädchen hier wäre....oder ich bei
ihr... Na ja, soviel Glück verteilt der Herrgott nun auch nicht
jeden Tag.
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