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Das
erste Mal habe ich von diesem Bauwerk gehört, als ich beim
... anfing. Da gab es landeskundliche Materialien. Dort war schon
die Rede von dem Minarett von Jam als einem der ungewöhnlichsten
Dinge im Land überhaupt. Dieses Ding hat mich sofort fasziniert.
Habe darum auch das Bild des Minaretts gekauft, welches heute in
meiner Küche hängt. Zunächst gab es keine Chance,
von Kabul aus dort hinzukommen. Dann wurde ich nach Herat versetzt
und das war die Gelegenheit. Ein bißchen Glück, ein bißchen
langfristige Planung, ein bißchen Entschluß im richtigen
Moment, ein bißchen die richtigen Drahtzieher.
Und nun haben wir es gepackt. Es ist ein simpler Turm. Allerdings
ist er um die 600 Jahre alt. Als das Minarett gebaut wurde, war
es der zweithöchste Turm der Welt. Die ornamentale Gestaltung
ist beeindruckend. Das findet man in dieser Form nicht sehr oft
in diesem Alter. Der eigentliche Punkt für das heutige Interesse
ist, das dieses Minarett im absoluten Nichts steht. So ein Bauwerk
gehört nach aller Erfahrung in die Hauptstadt eines großen
Reiches. Es ist über die Erbauer nichts bekannt. Es ist auch
nichts über ein Reich in dieser Gegend in dieser Zeit bekannt.
Schlicht gar nichts. Die ganze Umgebung riecht auch nicht nach "großem
Reich". Da fehlen alle Voraussetzungen, wie z.B. fruchtbares
Land, Verkehrswege, Bevölkerung, Transitwege, umliegende Bauwerke
ähnlichen Kalibers u.v.a.m. So ein Bauwerk erfordert eine solide
Zahl von Arbeitskräften. Darunter viele Gelernte. Dazu braucht
man einen Baumeister. Und da dieses Minarett zur Sonderklasse gehört,
dürfte wohl auch der Baumeister zu derselben gehören.
Die Namen sind normalerweise bekannt. Hier nicht. So eine große
Zahl von Bauarbeitern will verpflegt sein. Das Baumaterial muss
antransportiert werden. Und irgend jemand muss das ganze Unternehmen
bezahlen. Und einen gewissen Zweck damit verbinden. Über all
das weiß man nichts.
Das Minarett ist zum ersten Mal in den Vorstellungsraum der Westeuropäer
gerückt, als sich 1943 ein Militärflieger verirrte und
auf dem Wege dann ein Foto machte. Militärisch war mit dieser
Information natürlich wenig anzufangen, aber -immerhin - es
wurde nicht vergessen. Obwohl man 1943 vermutlich jede Menge anderer
Sorgen hatte. Sowohl die Geschichte Afghanistans seit 1943 als auch
die spezielle geographische Lage des Minaretts waren nicht dazu
angetan, größere Heerscharen von Wissenschaftlern einfliegen
zu lassen. Man kommt wirklich nicht leicht dorthin. Auch heute noch.
Übrigens hörten wir überall von italienischen Archäologen,
die dort angeblich buddeln sollen. Wir haben niemand gesehen.
Mittwoch früh sammelt sich unser Haufen ... in Herat. Wir sind
da und hören, dass nun noch ein Distriktspolizeichef mit uns
zusammen in sein Heimatnest fahren soll. Leider hat der Bursche
noch nicht gefrühstückt. Es wird also noch dauern. Wir
können nicht ohne "unsere Vertragspartner" losfahren.
Wir müssen warten. Sehe ich ein. Die müssen warten. Ich
aber nicht.
Kurzer Blick zu Armin. Der hat auch keine Lust zu warten und in
zwei Minuten sind unsere beiden Autos vom Hof. Vielleicht holen
uns die anderen ja ein. Wenn nicht, auch kein Problem. Wir müssen
nicht zusammen fahren. Es macht richtig Spaß. Ich habe Armin
für sein Auto ein Funkgerät gegeben und wir bedaddeln
uns manchmal aus Jux: Aufpassen! Blitzerfalle. An der nächsten
Tankstelle essen wir ein Eis.
Die Diesel laufen und wir holpern nach Osten, beladen mit allem
erdenklichem Zeug. Wir haben uns natürlich auch überlegt,
welche Gastgeschenke wir den Leuten da oben in den Bergen mitbringen
könnten. Eine Flasche Wodka o.ä. scheidet aus religiösen
Gründen aus. Auch wenn es manche gerne hätten. Ein elektrischer
Rasierapparat ist wohl so ziemlich die blödeste Idee in solcher
Gegend. Keiner hat Strom und alle tragen Bart. Schokolade wäre
okay, bekommt man aber wegen der Hitze nicht heil bis zum Empfänger.
Irgend jemand kam auf die Idee, den Leuten doch einfach Fotos zu
machen. Ich fand die Idee gut und bekam sie prompt von der Truppe
voll verantwortlich übergeholfen. Folgerichtig habe ich Generator,
Computer und Drucker im Gepäck. Dazu Kabel, Papier, Werkzeug
usw. Nach wenigen Kilometern müssen wir kurz halten, weil zur
Fixierung unseres Gepäcks Gurte, Seile, Strippen usw. gezogen
werden müssen. Abstand der beiden Wagen nie unter 2 km. Wegen
der Staubwolke. Ein
10-Minuten-Picknick wird über Funk verabredet. Das Ziel ist
heute nicht erreichbar. Das wissen wir. Also, mal sehen, wie weit
wir kommen.
Die
Berge werden höher und die Schluchten enger. Ich muß
zu meinem Entsetzen feststellen, daß meine Höhenkrankheit
wieder ein ganzes Stück schlimmer geworden ist. Solange ich
am Steuer sitze, geht das alles noch irgendwie. Wenn ich auf dem
Beifahrersitz hocke, wird es zur Katastrophe. Ich beiße mir
bei den kleinsten Hügeln auf die Lippen, nur um den Fahrer
nicht völlig grundlos anzubrüllen. Denn rational gesehen
fährt der recht ordentlich. Höhenkrankheit ist aber nicht
rational. Ein umgestürzter Lkw blockiert die Straße.
Alles heftig bergig.
Es gibt noch eine, seit Jahren kaum benutzte Umgehungsstraße
und ein paar Afghanen bestürmen uns nun, doch dort lang zu
fahren. Die haben eine alte kranke Frau bei sich und diese Frau
sollen wir nun mitnehmen, weil sie die Umgehung selbst nicht fahren
können mit ihrem Wagen. Diese "Umgehungstrasse" ist
mehr so ein Viehpfad. Aus mir unbekannten Gründen haben Esel
nicht dieselbe Spurweite wie dieser Landcruiser. Im Handbuch jeder
Hilfsorganisation gibt es ein größeres Kapitel "Fahren
in fremden Ländern". Dort stehen so fundamentale Wahrheiten,
wie z.B. "Ersatzrad mitführen", oder "Route
vorher planen". Es steht immer auch
drin, dass man auf keinen Fall Anhalter mitnehmen soll. Generell
hat diese Regel schon einen Sinn. Es sind da dumme Dinge vorgekommen.
Wenn Du dann irgendwo stehst, und Dich ein steinalter Einheimischer
verzweifelt anguckt, weil Du mit dem bärenstarken Wagen seine
letzte Hoffnung für den Transport seiner kranken Frau bist,
dann muß man Regeln auch mal frei interpretieren können.
Im Klartext: Über Bord schmeißen. Wir nehmen die Alte
also mit. Ihr Mann und noch jemand steigen dazu. Armin (höhenfest
und Afrika-erfahren) geht mit seinem Wagen vor und steht irgendwann
oben auf dem Berg und erzählt mir über Funk, dass es eine
recht heftige Angelegenheit sei. Trotz 4-Rad-Antrieb und Differentialsperre.
Man müsse da mal in der engen Bergkehre zurücksetzen und
dann noch mal neu ... Mir stehen alle Haare zu Berge. Da soll ich
nun hoch? Mit 5 Leuten im Wagen und reichlich Gepäck? Also,
ab geht's. Um die Geschichte mal kurz zu machen: Wir haben es alle
geschafft und auch die alte Frau dort abgeliefert, wo sie hinsollte.
Ich habe am Ende auf die Motorhaube gekotzt und mir haben die Knie
gezittert. Aber, wir haben es am Ende geschafft. Manchmal war es
knapp.
18
Uhr. Wir finden ein Camp der UN. Langsam wird es dunkel. Für
heute reicht's. Wir versuchen über Sat-Phone noch mehrfach
den anderen Teil der Truppe zu erwischen. Die sind ja wohl hoffentlich
auch noch irgendwann losgefahren. Klappt aber nicht. Zwischendurch
versuche ich, meine Heide in D. zu erreichen, was auch nicht funktioniert.
Zehn Minuten später versucht unser Dolmetscher wieder, die
andere Hälfte der Gruppe zu erreichen. Dabei ist die Nummer
von Heide immer noch im Telefon. Es ist wie in einem schlechten
Film. Er hört eine deutsche Stimme, wirft mir das Telefon zu,
brabbelt was von "Frauenstimme". Ich greife das Telefon
und brülle "Mariam? Bist Du das?" Mariam arbeitet
hier und gehört zu der Gruppe, die ich gerade per Telefon lokalisieren
will. Da Mariam die einzige Frau in der Gruppe ist, weiß ich
ja, wen ich am Telefon habe. Dachte ich jedenfalls. Ich höre
nur noch: "Hier ist Heide! UND WER IST MARIAM?" Der Tonfall
allein! Mein nachfolgendes Gestammel muss wirklich großartig
gewesen sein.
Donnerstag
morgen: Wir bekommen Funkverbindung zu der zurückgebliebenen
Gruppe. Die wollen uns zum Warten unter allen Umständen überreden
und trudeln dann tatsächlich zur verabredeten Zeit ein und
wir nehmen die letzen 20 km gemeinsam. Macht etwa 2 Stunden.
Da
die Schlucht eng wird, hat man Bach und Weg in eins gelegt. Es ist
einfach nicht mehr Platz. Wir tuckeln in der untersten Untersetzung
vor uns hin. Das klingt vielleicht entspannt, aber praktisch musst
Du wie ein Schiesshund aufpassen. 4-Rad-Antrieb und Differentialsperre
sind ohnehin ständig drin. Wenn ich nicht wüßte,
daß hier schon jemand gefahren ist, würde ich es wohl
für unmöglich halten. Wir zotteln durch eine Schlucht
(im Bachbett), die deutlich schmaler als mein Wohnzimmer ist. Manchmal
neigt sich der Wagen so, daß ich an den Griff des Handschuhfachs
greife. Einfach nur, um halbwegs die Senkrechte zu halten. An einer
Stelle stellt sich der Wagen so schräg, daß ich Angst
bekomme, die Außenkante des Dachs an der Felswand zu ramponieren.
Immerhin, man kann hier nirgendwo runterfallen. Wir sind ja schon
unten. Keine Höhe. Nach endlosen Kurven, nachdem Du innerlich
den Toyota schon um Verzeihung gebeten hast, nachdem Du nicht mehr
genau weißt, was Du hier eigentlich machst ... biegst Du dann
um die 597-igste Kurve und da steht es dann da. Das Minarett von
Jam. Mitten im felsigen Nichts.
Ich reiße den
Handfunk aus der Halterung und brülle hinein. Die anderen sind
1 oder 2 km hinter mir. "Wir sind daaaaaa" Es ist absolut
erschlagend. Ein phantastisches Minarett, umgeben von der Einsamkeit
der Berge und Flußrauschen. Nach stundenlanger Schüttelei
steigst Du aus dem Auto und blickst auf dieses Ding. Es ist irgendwie
auch ein Stück Traumerfüllung. Wir haben gemacht und getan
und geplant und gehofft. Und jetzt sind wir da. Das Minarett steht
genau am Ufer des Harirud. Das ist der größte Fluß
in Afghanistan. Man könnte ja nun denken, dass es hier eine
Straße gibt. Ist aber nicht so. Auf dem hiesigen Ufer gibt
es gar nichts. Einfach kein Platz. Auf dem anderen Ufer einen Viehpfad.
Ein Mini-Talkessel.
Mehr
nicht Nach der endlosen Fahrerei legen wir erst mal ein ordentliches
Essen ins Programm. Außerdem gibt es hier einen Lift über
den Fluß. Im Klartext: Stahlseil und umfunktioniertes Eselsjoch.
Mich hat dann der Deibel geritten und ich bin eingestiegen. Niemand
sonst in der Nähe. Bis etwa zur Mitte des Flusses rutscht man
ja von allein. Weil dort der tiefste Punkt ist. Von dort an mußt
Du Dich selbst ziehen. Habe ich gemacht. Persönlicher Beitrag
zum Kampf gegen die eigene Angst sozusagen. Als ich mich zum anderen
Ufer gezogen hatte, bin ich dort vollkommen ausgepumpt angekommen.
Ich wußte genau, daß ich es allein zurück wohl
nicht schaffen würde. Dafür bekam ich ein paar erstaunte
Blicke von Einheimischen, die sich später eingefunden haben.
Die machen die Tour zwar jeden Tag, würden aber nicht auf die
Idee kommen, das ganz alleine zu machen. Plötzlich wird es
belebt an der Brücke. Ein bewaffneter Haufen auf Motorrädern
ist angekommen. Die wollen alle rüber. Auch die Maschinen Es
werden auch Ziegen auf diese Art befördert. Ziegen sind ein
spezielles Thema. Da gibt es Viecher, denen diese Art der Beförderung
zu gefallen scheint. Andere Exemplare mögen es nicht. Kann
man beim Verladen deutlich merken. Wenn man sich die Ziege zum Anseilen
zwischen die Beine klemmt, wollen einige auskeilen. Andere stehen
ganz still. Bei der ganzen Aktion steht man auf einem Felsvorsprung
von der Größe eines Aschenbechers und 5 m unter einem
rast der Bergfluß dahin. Bei Ziegenböcken ist es extrem
schwierig. Du mußt mit dem Ellenbogen den Kopf des Bocks unten
halten. Wenn das nicht klappt, und das Tier den Kopf zurückwirft,
... ja, ich weiß ... Frauen finden das vielleicht lustig ...
ich nicht. Nachdem ich ziemlich nach Ziege stank, wurde auch ich
wieder von den hilfreichen Einheimischen auf das andere Ufer gezogen.
In
das Minarett bin ich dann auch noch hinein gekrabbelt. Der Eingang
war so etwa wie eine Hundetür. Aber beim Anblick der 600 Jahre
alten Wendeltreppe war dann Ende der Fahnenstange. Die meisten von
uns sind bis oben gekommen. Ich hatte einfach die Nase voll.
Mit
uns ist wie gesagt, Mariam. Ende 20. Bildhübsches Mädchen.
Gebürtige Afghanin. Selbst für hiesige Verhältnisse
recht dunkelhäutig. Schwebt zwischen den Kulturen. Trägt
die Haare meistens bedeckt, aber niemals Gesichtsschleier. Sie muß
hier tagtäglich das Kunststück meistern, mit männlichen
Würdenträgern zu reden und dabei glaubwürdig "rüber
zu kommen", ohne sich allzu sehr selbst zu verbiegen. Ich kann
vermutlich nicht mal ansatzweise verstehen, was das hier für
eine Frau wie sie bedeutet. Die Welt der Frauen ist in diesem Land
etwa so weit von mir entfernt wie der Mond. Sie meint, einen ganz
brauchbaren Weg im persönlichen Umgang mit den Leuten hier
(Männer) gefunden zu haben. Immerhin wird sie ernst genommen,
und die (afgh.) Männer reden mit ihr. Soviel kann ich persönlich
sehen. Das ist schon mal nicht wenig. Da gab es schon andere Fälle.
Ich sehe aber auch die Blicke der Männer, wenn Mariam aus dem
Auto steigt. Was sie weitgehend vermeidet. Es ist nicht einfach
das Interesse an diesem Weib. Es ist mehr. Mariams Erscheinen ohne
Schleier ist in dieser Gegend der definitive afghanische Pornofilm.
Diese Männer haben, außer den nächsten Angehörigen,
noch nie eine erwachsene Frau gesehen. Das ist - bei allem Bemühen
und einiger Erfahrung im Umgang mit Fremdem - ein Punkt, der nur
schwer in meinen Kopf geht. Ach ja, Mariam raucht auch noch und
ist verheiratet. Ehemann ist in Deutschland. Der Gipfel. Das alles
zusammen dürfte die Vorstellungswelt eines "tiefste-Provinz-Afghanen"
doch um einiges überfordern. Aber die Jungs geben sich Mühe
und es gibt keine unangenehmen Szenen. An einer Stelle hat sie den
Bogen allerdings überspannt. Sie wollte mal mit einer Kalaschnikow
schießen. Das haben unsere bewaffneten Begleiter abgelehnt.
Die Ausrede war ziemlich primitiv. Wäre in dieser Gegend problemlos
möglich. Aber, das geht nun mal einfach nicht.
Direkt
am Minarett gibt es ein kleines Hotel. Errichtet mit Hilfe der EU.
Dort übernachten wir. Geradezu goldig im Vergleich zu dem,
was wir erwartet haben. Etwas abseits haben sich unsere uniformierten
Begleiter postiert. Das Hotel ist ein kleines eingeschossiges Gebäude.
Mittelgang, rechts und links die Zimmer. Ausstattung der Zimmer:
Teppich und Matratze. Wenn 3 Matratzen im Zimmer liegen, zahlt man
20 $ pro Person, wenn es mehr sind nur 10. Rezeption und Frühstücksraum
gibt es nicht. Gegessen wird landestypisch im Zimmer auf der Erde.
Es gibt aber eine funktionierende Dusche mit WC. Wenn man rechtzeitig
Bescheid sagt, wird der Kessel geheizt und man kann sogar warm duschen.
Mittag kochen wir erst mal selbst aus Mitgebrachtem. Plötzlich
wird uns klar, dass wir unseren Beschützer-Haufen nach hiesigem
Verständnis ja auch noch verpflegen müssen. Wir schmeissen
also alles in die Pfanne. Jetzt bewährt sich die vorangegangene
Planung: Dietrich schmeißt den Gaskocher an. Ich habe ein
großes Schneidebrett nebst Messer und Mariam setzt sich an
die mitgebrachte Pfanne. Wir zaubern auf einem einzigen Gaskocher
5 Gänge. Da wir nur 5 Teller haben, muß recht schnell
gegessen werden. Die anderen warten. Es gibt Truthahn aus der Büchse
und 2 geschlachtete Hühner. Außerdem haben wir alle verfügbaren
Sorten von Wurst kleingeschnitten und eine Büchse mit schwarzen
Bohnen im Gepäck. Brot haben wir im Dorf besorgt. Am Ende sind
alle satt.
Wir
fahren zurück. In den Bergen läuft der Landcruiser richtig
gut. Am Steuer zu sitzen, ist die beste Methode gegen Höhenangst.
Ich gebe dem Affen Pfeffer. Überall bei der UN und anderen
Organisationen wird heute Toyota gefahren. Muß eine Goldgrube
für die Firma sein. Die englischen Kollegen haben da einfach
einiges verschlafen. Die hätten es in der Hand gehabt. Nun
aber nicht mehr. Das hätten sie vor 20 Jahren tun sollen. Landrover
ist heute eine Marke für ein paar Individualisten. Toyota hat
LR an die Wand gedrückt. Das letzte LR-Territorium ist Afrika.
Der "Rest der Welt" ist fest in Toyota-Hand. Manche meiner
lieben Kollegen scheinen noch keine Bergerfahrung zu haben. Die
fahren mit 5m Abstand hintereinander eine Steigung hinauf. Himmelarschundwolkenbruch.
Was machen die, wenn nun oben plötzlich ein Lkw um die Kurve
biegt? Oder, wenn am ersten Wagen ein Defekt eintritt? Oder, wenn
der Fahrer im ersten Wagen einfach zurückschalten will?
Leider
ist Armin jetzt nicht mehr mit dabei. Er mußte weiter. Andere
Straße. Armin fährt jetzt mitten in die Krise. Nach Chachcharan.
Dorthin ist vorgestern der örtliche Häuptling aus unserem
Nest (Jam) zu einem Meeting gefahren. Das scheint wohl nicht den
gewünschten Verlauf genommen zu haben. Jedenfalls wurde er
am Ende als Geisel dabehalten. Daraufhin haben seine Leute aus Jam
dem Chef in Chachcharan ein Ultimatum gestellt: Du uns Boss freilassen
oder du richtig Ärger. Die Leute, denen ich so nett beim Übersetzen
ihrer Motorräder am Fluß geholfen habe, war die Miliz
von dem Inhaftierten. Am Ende ist alles gut gegangen. Die Geisel
wurde freigelassen. Niemand verletzt. Vorher haben die 4 UN-Leute
in Chachcharan aber noch in Panik über Funk nach dem Hubschrauber
zur Evakuierung geschrien. Als ich das hörte, wußte ich
sofort, was das für Leute sind, obwohl ich sie nie gesehen
habe. Wahrscheinlich ist es politisch nicht korrekt, wenn ich das
hier preisgebe. Aber egal. Es müssen Afrikaner sein. Die erklären
schon den Ausbruch eines Bürgerkriegs, wenn im nächsten
Dorf jemand mit einem kaputten Gewehr, Baujahr 1890 zum Waffenschmied
geht. Habe ich mehr als einmal erlebt. Meine Annahme war übrigens
richtig, wie ich in Herat dann in Erfahrung bringen konnte.
Auf
der Rückfahrt entschließen wir uns zu einer Gewaltfahrt.
Weiches Bett und Tisch mit Stühlen locken doch sehr. Mit dem
allerletzten Tageslicht reiten wir in Herat ein. Alle glücklich
und zufrieden. Tolle Fahrt!
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