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Politik
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Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1236

Saudi-Arabien ist eine Monarchie auf der Ordnungsgrundlage des wahhabitischen Islam. Eine Verfassung im westlichen Sinne gibt es nicht. Ebensowenig existieren politische Parteien. Parteipolitische Strömungen sind aber in Ansätzen vorhanden. Nach westlichen Begriffen wird das Wüstenkönigreich autokratisch regiert. In der Hand des Monarchen, der in seiner Person die höchsten legislativen, judikativen und exekutiven Ämter vereinigt, liegt die uneingeschränkte Staats- und Regierungsgewalt. Außerdem ist der König auch geistliches Oberhaupt.
Politik im Königreich war und ist in erster Linie immer Politik zur Erhaltung der Saud-Dynastie. Um sich die Herrschaft auch für die Zukunft zu sichern, betreibt das Königshaus eine wohlkalkulierte Personalpolitik. Es versucht, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung durch ihm und den alten Werten ergebene Führungsschichten zu kontrollieren. Das aber wird zunehmend schwieriger. Viele Saudis - vor allem der älteren Generation - haben den rasanten Abschied von Kamel und Zelt innerlich noch nicht verkraftet. Das heutige Saudi-Arabien mit seinen modernen Städten und der alles dominierenden westlichen Technologie ist ihnen fremd geworden. Doch während sich die einen von der rapiden und radikalen Umgestaltung des Königreichs überrollt fühlen, beklagen die anderen das schneckenhafte Tempo, mit dem neben westlichem Know-how auch westliche Freiheiten im Lande Fuß fassen. Denn das wachsende Bildungsniveau, die große Zahl saudischer Studenten, die im Ausland freizügigere Lebensweisen kennen- und schätzengelernt haben, die Berichte über den Lebenswandel so mancher Prinzen und der tagtägliche Kontakt mit Gastarbeitern haben den puritanischen Moral- und Sittenkodex der Wahhabiten zumindest in Frage gestellt. Zwar beherrscht den Wüstenstaat auf den ersten Blick ein sittenstrenger islamischer Geist: Frauen sind beinahe gänzlich aus dem öffentlichen Leben verbannt, Alkohol ist - auch für Fremde - absolut tabu und jedwedes Vergnügen bewegt sich schon in der Grauzone zur Sünde. Aber "bei näherer Betrachtung", so "fällt auf, dass Islam und religiös begründete Herrschaft der Saud-Familie durchaus das öffentliche Leben bestimmen, der Islam aber bei politischen Entscheidungen eine zunehmend geringere Rolle spielt".
Auch im Palast weiß man um die Gefahren, die diesem Mißverhältnis entwachsen können. Denn weit mehr als liberalistische fürchtet man islamische Umtriebe. Das Schicksal des persischen Schah ist noch in frischer Erinnerung, und auch die Sauds haben schon mehrere Male ein Vibrieren ihres Throns vernommen. Zum ersten Mal, als sie ein Justizministerium gründeten und damit die wahhabitische Geistlichkeit, die sich um ihr Privileg der Rechtsprechung gebracht sah, erzürnten; danach, als im November 1979 schwerbewaffnete Fundamentalisten die Große Moschee nebst Kaaba in Mekka stürmten und zwei Wochen besetzt hielten. Nach Informationen westlicher Geheimdienste handelte es sich dabei um einen mißglücken Staatsstreich gegen den damaligen König Chaled Ibn Abd Al Aziz (1913-1982). Nicht zufällig erhoben sich beinahe gleichzeitig auch unzufriedene schiitische Stämme des Landes. Auch der von Ayatollah Chomeini angezettelte Pilgeraufstand vom Juli 1987 zeigt, dass die saudische Führungsrolle in der islamischen Welt keinesfalls uneingeschränkt anerkannt wird.
Zukunftsängste plagen die reichen Monarchen in Riyadh. König Fahd, seit 1982 Regent, ist ein gemäßigter, prowestlicher Modernist. Er verfolgt seine Ziele sehr behutsam. Kronprinz Abdallah, Fahds designierter Nachfolger, rät zu noch mehr Vorsicht. Beiden ist bewußt, dass Saudi-Arabien einen Weg zwischen moderner Welt und alter Tradition finden muß. Dass hier eine Gratwanderung stattfindet, zeigte sich 1990 durch die Golfkrise und die Stationierung US-amerikanischer Soldaten in Saudi-Arabien. Bewußt hält sich Saudi-Arabien in der aktuellen Irak-Frage im Jahr 2002 zurück und will nicht Boden für mögliche Angriffe westlicher Staaten gegen den Irak sein.

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Weitere Infos
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Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1236
  • Parteien
    keine

  • Parlamentarisches System:
  • Madschlis al-Schura/Nationaler Konsultativrat mit 90 Mitgliedern, Ernennung durch König
  • Staats- und Regierungschef sowie geistliches Oberhaupt: König Fahd Ibn Abdel-Aziz al Sa'ud seit 1982
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