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Wissenswertes

Saudi-Arabien, Hüter der Heiligen Stätten in Mekka und Medina, die für Nichtmuslime unzugänglich sind, ist wohl eines der konservativsten Länder der islamischen Welt. Der sunnitische Islam ist in der Extremform der wahhabitischen Reformlehre Staatsreligion. Der Koran gilt als Verfassung, Rechtsquelle und Gesetz. Der König ist absoluter Herrscher, oberster Richter und geistliches Oberhaupt. Er regiert ohne Volksvertretung nach der Scharia, dem islamischen Recht. Wichtige Entscheidungen trifft er jedoch in Abstimmung mit den übrigen Mitgliedern des Königshauses, der Geistlichkeit (den "Ulema"), den Stammesführern und dem Majlis Al-Shura (Beratender Versammlung). In seiner Funktion als Ministerpräsident leitet der König den Ministerrat. Erster stellvertretender Ministerpräsident ist Kronprinz Abdullah Ibn Abdul Aziz, auch Kommandeur der Nationalgarde.

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"Wahrung" der Sitten

Es gibt in Saudi-Arabien, zur Kontrolle und Überwachung der Sitten, sogenannte Religionswächter - die "Mutawas". Diese achten u.a. darauf, dass während der Gebetszeiten die Geschäfte geschlossen sind, dass Frauen züchtig bekleidet sind (Kopftuch) und das unverheiratete Männer und Frauen nicht "zusammenkommen".

 
Heilige Stätten
© Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1236

1744 trafen sich zwei Männer in der kleinen Stadt Dir'iyya in der Nähe von Riyadh, Saudi-Arabiens heutiger Hauptstadt. Ihr Herrscher Mohammed Ibn Saud, Vorfahre der jetzigen Königsdynastie, gelobte Mohammed Ibn Abd Al Wahhab, einem gläubigen Moslem, dass sie die gesamte Arabische Halbinsel wieder zu der Urform des Islam, wie sie vom Propheten Mohammed 600 n.Chr. verkündet worden war, zurückführten.
Die neue Bewegung zog bekehrte Beduinen an, die dem saudischen Aufruf folgten, und 1787 war der größte Teil des Najd (Zentralarabien) eingenommen. 1803 zog Abd Al Aziz Ibn Saud gegen den Hedjas, Arabiens westliches Küstengebiet, wo er den Scherifen (Hüter) von Mekka besiegte und den Haddsch (Wallfahrt) unternahm, der eine der "fünf Säulen des Islam" ist. Die Eroberung Mekkas brachte auch die Kontrolle über Al Madinah (Medina) mit sich, der zweitheiligsten Stadt des Islam, wo der Prophet begraben liegt.

Zwei heilige Städte
Mekka ist die heiligste Stadt des Islam: Geburtsort des Propheten, Stätte seiner ersten Verkündung des Islam und der erste islamische Staat. Im Mittelpunkt des Hofes der heiligen Moschee Al Haram befindet sich die Kaaba, das würfelförmige Gebäude, in dessen Richtung sich alle Moslems beim Gebet wenden. Moslems glauben, dass der Koran, das heilige Buch des Islam, von Gott dem Propheten in Mekka und Al Madinah verkündet wurde. Mit den zwei heiligen Städten unter ihrer Herrschaft erstreckte sich nun die Macht der Saudis von Hasa im Osten bis zum Hedjas im Westen, und im Süden bis zur Stadt Najran.
Der Hedjas war Teil des Osmanischen Reiches, und Sultan Mahmud II. sandte seinen Statthalter in Ägypten, Mohammed Ali, um dieses Gebiet zurückzuerobern. Eine Zeit der Wirren folgte, so dass 1890 der größte Teil der Sauditen gezwungen war zu fliehen. Im Jahr 1902 führte ein Mitglied der verbannten Dynastie Saud, im Westen als Ibn Saud bekannt, einen der tapfersten Feldzüge der jüngsten Geschichte aus. Ibn Saud Abd Al Aziz III. zog mit einer Handvoll Getreuer nach Riyadh und eroberte die Stadt zurück.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte der türkische Nationalistenführer Kemal Atatürk das osmanische Kalifat ab. Zusammen mit der zunehmenden Bestechlichkeit im Hedjas bildete dies eine zusätzliche Herausforderung für Ibn Saud, der sofort gegen Mekka zog. Am Tag nach seiner Eroberung der heiligen Stadt legte sein Heer die Waffen nieder (Waffen sind innerhalb heiliger Stätten verboten), legte den "litham" (das weiße, saumlose Haddsch-Gewand) an und unternahm den Pilgergang. 1932 verkündete er die Gründung des Königreichs von Saudi-Arabien, wobei er zwei kulturell verschiedene Gebiete vereinigte.
Am 9. November 1953 starb König Ibn Saud. Sein Nachfolger, Saud, war nicht zum Herrscher geboren, und 1964, nach schweren politischen und wirtschaftlichen Krisen, trat er zugunsten seines Bruders Faisal zurück. Faisal II. erkannte, dass der wachsende Ölreichtum des Königreichs einem tiefreligiösen Land Probleme verursachen könnte und machte langfristige Pläne, um westliche Technologien mit traditionellen geistigen Werten in Einklang zu bringen.
Faisal war ein guter Diplomat, der den weltgewandten Bewohnern Mekkas gezeigt hatte, dass die ungehobelten Puritaner des Najd gegenüber einem besiegten Volk großzügig sein konnten. Er wurde 1975 ermordet. Die Thronfolge ging an seinen Bruder Chaled Ibn Abd Al Aziz über, obwohl die tatsächliche Machtbefugnis in den Händen des neuen Kronprinzen Fahd lag. Nach Chaleds Tod im Jahre 1982 kam Fahd Ibn Abd Al Aziz auf den Thron.

Die Belagerung von Mekka
1979 wurde das Königreich durch ein Ereignis bis in seine Grundfesten erschüttert: im November wurde die heilige Moschee in Mekka von rund 250 fanatischen Anhängern des Huhaiman Ibn Saif Al Otaibi besetzt, der den Mahdi (den Auserwählten) innerhalb der Moschee an jenem Tag, dem ersten Tag des moslemischen Jahres 1400, offenbaren sollte. Die Belagerung endete erst nach blutigen Kämpfen, in denen 102 Rebellen und 27 Soldaten getötet wurden. Am 9. Januar 1980 wurden 63 Rebellen in verschiedenen Städten auf Marktplätze geführt und öffentlich enthauptet.
Die Belagerung Mekkas ließ die saudischen Herrscher die Notwendigkeit von Reformen erkennen, ja sogar von einer Versammlung, in der einfache Leute ihre Meinung sagen konnten. 1985 schlug König Fahd die Einrichtung eines gewählten Parlaments vor. 1986 nahm er den Titel "Wächter der zwei heiligen Moscheen" an, womit er den saudischen Schutz über Mekka und Al Madinah formalisierte. Gleichzeitig versuchte er, die moslemischen Fundamentalisten zu beschwichtigen, die fürchteten, dass das Königreich vom westlichen Einfluß verdorben werde.
Diese Maßnahmen konnten jedoch nicht einen ernsten Vorfall im Jahre 1987 verhindern, bei dem die saudische Polizei 400 iranische Pilger tötete, die während des Pilgergangs in Mekka gegen die USA und die saudische königliche Familie demonstriert hatten.
Trotz dieser Probleme haben die Saudis seit der Eingliederung des Hedjas bedeutende Summen in die Vergrößerung und Erhaltung der heiligen Moscheen in Mekka und Al Madinah investiert. Sie haben auch große Mühen unternommen, um für die zwei Millionen Pilger zu sorgen, die jährlich die Pilgerfahrt unternehmen, und haben ihnen Räume und Grundausstattungen zur Verfügung gestellt.

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