 |
|
|
|
Saudi-Arabien erstreckt sich über
den gesamten mittleren Teil der Arabischen Halbinsel zwischen dem
Roten Meer und dem Persischen Golf. Im Norden wird es begrenzt durch
den Golf von Aqaba, Jordanien, Irak und Kuwait, nach Osten hin durch
den Golf mit dem vorgelagerten Inselstaat Bahrain, der Halbinsel
Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Sultanat Oman,
im Süden durch die Republik Jemen und im Westen durch das Rote
Meer. Zwischen dem 32. und 16. Grad nördlicher Breite gelegen,
gehört das Land zum subtropisch-tropischen Wüstengürtel
der nördlichen Halbkugel. Es besteht deshalb weitgehend aus
unfruchtbaren Wüsten (Rub' al Khali, Nafud) und Halbwüsten.
Lediglich die Hochtäler der südwestlichen Küstengebirge,
ein schmaler Küstenstreifen im Südwesten und die Oasen
im Landesinnern stellen natürliche Ackerbaugebiete dar.
Saudi-Arabien ist mit einer Fläche von 2,24 Mio. qkm sechsmal
so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, hat jedoch nur
21 Mio. Einwohner, von denen ca. 7 Mio. vorübergehend hier
weilende Ausländer sind. Der Wüstencharakter des Landes
und die verkehrsfeindlichen, hafenarmen Küsten haben bewirkt,
dass der größte Teil Saudi-Arabiens durch die Jahrhunderte
hindurch von der Außenwelt abgeschlossen war. Lediglich die
heiligen Städte Mekka und Medina, Ziel der muslimischen Pilger
aus aller Welt, und die Hafenstadt Jeddah auf dem Wege dorthin waren
allgemein bekannt. Erst mit dem Beginn der Erdölexploration
1933 durch ARAMCO begann die Erschließung des weiten Landes.
|
 |
|
Infos
© Alle
Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden,
Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München,
2001, S.1236
|
| Fast 21 Millionen Menschen leben in
diesem Staat von der Größe Westeuropas, doch nur 1,8%
seiner Fläche sind Kulturland. Der Rest ist Wüste, Halbwüste
und verkarstetes Bergland. Extrem wie die Landschaft ist auch das
Klima: die Sommer sind heiß, die Winter kalt, die Niederschlagsmengen
gering.
Das Königreich Saudi-Arabien ist das konservativste Land der
Region und das einzige der Welt, das mit "Saud" den Namen
einer Familie trägt. Tief verankert im Islam mit seinen heiligen
Städten Mekka (Mekkah) und Medina (Al Madinah) und abgesichert
durch einen unerschöpflichen Öl-Ozean unter den Wüsten
des Ostens herrscht die Familie Saud uneingeschränkt. Die saudischen
Monarchen bezeichnen sich als "Hüter der beiden heiligen
Stätten", ihre Königsherrschaft als die "Statthalterschaft
Allahs". Religion und Politik verschmelzen so zur Einheit.
Mit Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed, verwalten die
Sauds den spirituellen Mittelpunkt der arabischen und islamischen
Welt. Jeder Moslem, wo er auch betet, verneigt sich gen Mekka. Und
der "Haddsch", die Wallfahrt nach Mekka, zählt zu
den fünf Grundpflichten jedes männlichen Moslems. Jährlich
pilgern etwa zwei Millionen Wallfahrer nach Mekka, der mit 630.000
Einwohnern - nach der Hauptstadt Riyadh (Ar Riyad, rund 3 Millionen)
- drittgrößten Stadt des Königreiches. Noch heute
ist Mekka den "Ungläubigen" verschlossen.
Doch nicht nur aus religiösen Gründen pilgern unzählige
Menschen zur "Wiege des Islam". Mehrere Millionen Menschen
sind aus ganz materiellen Motiven ins Land gekommen. Denn die saudischen
Ölprinzen waren nicht in der Lage, das "schwarze Gold"
unter ihren Wüsten allein zu bergen. Und so holten sie Gastarbeiter.
Fast 30% der Bewohner des Königreiches haben heute keinen saudischen
Pass. Die meisten Zuwanderer stammen aus Pakistan, Indien und südostasiatischen
Ländern. Dazu kommen viele arabische Gastarbeiter - vor allem
Jemeniten und Ägypter -, die auch im Bauwesen, auf Ölfeldern
und im Dienstleistungsgewerbe arbeiten. Tätigkeiten, die hohes
technisches Know-how erfordern, werden von den 100.000 "importierten"
Nordamerikanern, Japanern und Europäern verrichtet.
Der märchenhafte Ölreichtum hat das ganze Land so tief
greifend verändert wie kaum ein anderes. Waren die Saudis bis
in die 1960er Jahre überwiegend Beduinen, so sind heute mehr
als 80% der "Wüstensöhne" seßhaft. Vor
allem in den 1970er Jahren ist der Urbanisierungsprozess mit ungeheuerlichem
Tempo fortgeschritten. Innerhalb von nur einer Generation haben
die Saudis ihre Beduinenzelte abgebrochen und sind in oft futuristisch
wirkende neue Städte gezogen. Und da in arabischen Ländern
Nomaden- und Stadtkultur stets in dynamischem Wechselspiel stehen,
thematisiert auch die Architektur diesen rasanten Wandel. Wie in
einem Spiegel erscheint in der avantgardistischen Dachkonstruktion
des König-Fahd-Stadions in Riyadh ein Kreis von 24 traditionell
aufgeschlagenen Nomadenzelten. Städte wie Riyadh oder Jiddah,
in kürzester Zeit um ein Vielfaches gewachsen, schmücken
sich in oft gelungener Synthese von alter Tradition und neuer Technik
mit Monumenten der Postmoderne. Freilich beherrscht auch in Saudi-Arabien
auf weiten Strecken der Einheitsstil gesichtsloser Betonburgen den
Blick.
Mag der Reichtum das Land äußerlich auch völlig
verändert haben, an einem jedoch halten die Saudis unbeirrbar
fest: am Wahhabismus, ihrer gestrengen, puritanischen Auslegung
des Islam. Lange waren die wahhabitischen Saudis nicht sehr beliebt.
Erst durch ihre Vorherrschaft in der Region wurde diese Glaubensrichtung
in der sunnitischen Welt anerkannt. Das Festhalten am Wahhabismus
gilt als wichtigster Garant für das Überleben der Monarchie.
Geboren wurde das heutige Saudi-Arabien im Oasengebiet des Najd
im östlichen Teil der Halbinsel. Dort gingen im späten
18. Jahrhundert Mohammed Ibn Abd Al Wahhab (1720-1792) - Begründer
des Wahhabismus - ein Bündnis mit Mohammed Ibn Saud (1735-1766),
dem Patriarchen der kriegerischen Beduinensippe Saud, ein. Diese
Verbindung von Koran und Kampf ist noch heute Motiv der Flagge des
Königreichs: auf dem grünen Banner des Propheten unterstreicht
ein Krummschwert das islamische Glaubensbekenntnis. Die verschiedenen
saudisch-wahhabitischen Reichsgründungen waren durch lange
Phasen des Niedergangs unterbrochen. Im 20. Jahrhundert jedoch brachten
die Saudis mit Abd Al Aziz III. Ibn Saud (1880-1953) den genialen
Erneuerer des Staatswesens hervor. 1902 brachte er nach blutigen
Kämpfen gegen die Najd-Sippe Radschid die Wüstenfestung
Riyadh an sich. In der Folgezeit wußte Abd Al Aziz einerseits
die einmalige Konstellation von internationaler und regionaler Politik
geschickt zu nutzen und andererseits gelang es ihm, seinen wahhabitischen
Kriegern aufgrund ihres fanatischen Glaubens den Nimbus der Unbesiegbarkeit
zu verleihen. 1915 stieg er vom Provinzstatthalter zum Emir des
Najd auf. 1921 erklärte er sich zum Sultan und 1926, nach der
Eroberung des Hedjas (Al-Hijas) mit Mekka und Al Madinah (Medina),
zum König. 1932 machte er sich zum König der neu gegründeten
Monarchie Saudi-Arabien. Seit 1982 regiert König Fahd Ibn Abd
Al Aziz (* 1922). Er ist der fünfte Herrscher Saudi-Arabiens.
|
|
 |
|